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1

Donnerstag, 20. September 2007, 10:00

an die Altdeutsch Experten

Hallo,

ich konnte gerda eine Handschrift erwerben (hat natürlich etwas mit Schweden zu tun), die von meiner Mutter schon fast "übersetzt" wurde. Beim letzten Absatz hat sie sich etwas schwer getan, weil sie nicht mehr so gute Augen hat. Kann mir da jemand helfen?

Kann man die Handschrift auf Anfang des 19. Jahrhunderts datieren? Oder ist es eine spätere Abschrift?

"Das Schreiben stammt aus dem Nachlass von Christian Friedrich August Reinhardt (1742-1814),
Königlich Sächsischer Hof- und Justiz-Rath in Dresden"

Vorgenannter Herr wurde mir als ehemaliger Besitzer genannt. Könnte das so passen?

Viel Spaß beim Knobeln (ich weiß doch, dass euch das Spaß macht)

wünscht Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

2

Donnerstag, 27. September 2007, 15:33

RE: an die Altdeutsch Experten

Hier gab es doch vor kurzem jemanden der gut altes Deutsch lesen konnte. Helft mir bitte!

Gruß Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

3

Freitag, 16. November 2007, 16:30

...geht es jetzt nur um den letzten Absatz?

Gruß

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

4

Freitag, 16. November 2007, 16:32

ist aber schwer zu erkennen, aber ich werd mal heute abend versuchen...

bis dann

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

5

Freitag, 16. November 2007, 16:44

Hallo alter Schwede,

mach mal einen helleren und schärferen Scan davon, ich kann´s nur schlecht lesen...

Chris - der sauer ist, weil sein Paket aus England, das vor 8 Tagen losgeschickt worden ist, noch immer nicht da ist. grummel.
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

6

Freitag, 16. November 2007, 16:55

..."auch würde ein Bündnis mit dem beherrscherd des südl. (irgendwas) die (irgendwen) nicht sehr glücklich machen.."

klingt ja spannend...
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

7

Freitag, 16. November 2007, 17:40

Hallo bin gerade noch in der Firma. Ich werde heute abend den ersten (übersetzten) Teil einsetzen. Auch versuche ich einen besseren Scan zu erstellen. Zur Geschichte - Schweden griff ja 1813 in den Krieg gegen Frankreich an der Seite der Verbündeten ein. Dieses ist der Aufruf zu den Waffen an seine Landsleute. Da Teile Pommerns damals noch zu Schweden gehörten, dieser Aufruf auch in Deutsch. Mich würde dann noch interessieren, ob man das in die Zeit datieren kann. Ich vermute dass sich dieser Herr Rath das abgeschrieben und mit nach Hause genommen hat. Obwohl - dass war dann schon lebensgefährlich. Sachsen war ja treuer Verbündeter Napoleons.

bis nachher Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

8

Freitag, 16. November 2007, 21:40

Hier der erste Teil (schon übersetzt):

Indem die schwedische Nation, nun die älteste und würdigste in Europa, mir die unmittelbare Anwartschaft der Leitung ihrer Angelegenheiten und die Aussicht auf den Thron von Schweden versicherten, ließ ich mein früheres Vaterland zurück, um mich an den Küsten des baltischen Meeres mit ganzem Herzen meinem neuen Vaterland zuzueignen.

Redlichen Sinnes erkenne ich vom ersten Augenblick an in jedem Schweden ein Glied meiner Familie, und indem ich das Wohl jedes Schweden sichere, kann ich meinen erhabenen Beruf erfüllen. Nicht aus Willkür, nicht einer Überredung nachgebend, sondern aus eigener weiser Vorsorge hat seine Majestät nun befohlen, die Armee des schwedischen Königs in Königführenden Zustand zu setzen, und den gemeinschaftlichen Feind des nördlichen Europa zu bekämpfen.

Indem ich mich an die Spitze der tapferen Schweden stelle, um im Bündnis mit Russland Wunden zu heilen, welche in früheren Zwisten der Schweden Wohlstand schlug; darf mich Frankreich nicht treulos schelten. Denn mit Zustimmung seines Regenten teile ich das Interesse eines Volkes, dessen physische Lage einer fortwährenden Feindschaft mit den gegenwärtigen Seemächten nicht erlaubt.

Und der letzte Teil noch mal - hoffentlich besser zu lesen.
Gruß vom alten Schweden

Thomas

9

Samstag, 17. November 2007, 00:04

Mensch, Alter Schwede, dies war eine schwere Geburt, und ich kann zwei bis drei Wörter immer nich nicht entziffern....aber nun.


"Auch würde ein Bündnis mit dem Beherrscher des südl. Europa die nördl. Nationen nicht so glücklich machen. Denn vertraut mit den Plänen des ehrgeizigsten und auch (mäch)tigsten Mannes unserer Zeit, darf ich meinen Landsleuten und den Bewohnern des Norden versichern, daß während ich ihm zur Seite stand und unter ihm focht, ich mich hinlänglich überzeugt habe, daß nicht [...] sondern [...] gewaltsame Anmaßung(?) die Grenze zu setzen im Stande sind.

(Soundso) im Dec. 1812"

Sorry, daß ich nicht alles lesen konnte....aber da scheinst Du ja ein echtes Häppchen auf dem Teller zu haben :)

Viele Grüße

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

10

Samstag, 17. November 2007, 00:16

Hmmm...

also: ich kapier zwar nicht wirklich, was der gute Knabe da so mit sagen will (Schwedens Geschichte hört für mich mit Harald Schönhaar auf :D ),
aber....

1.) Welches Heimatland gab er auf, um im hohen Norden sein neues zu führen?

2.) Hat er ein schlechtes Gewissen, weil er unter Napoleon gefochten hat? So damals, Du weißt schon, Anno soundso...oder hab ich ihn da völlig falsch verstanden?

3.) gibt der letzte Teil dem Sinn des ersten den definitiven Genickschuß für mich .....aber Du kannst mich sicher aufklären...

4.) lese ich gerade, wie Jack Aubrey zu eben jener Zeit auf Prisenjagd ist, will endlich meinen Sübel haben, der von England über das Kap der Guten Hoffnung, durch die Straße von Malakka, um´s Kap Horn herum nach Deutschland und zu mir unterwegs ist, wie mir scheint.
Und ich bin untröstlich, dass er immer noch nicht bei mir eingetroffen ist, und deshalb kurz davor, England den Krieg zu erklären, wo mein Geld nämlich bereits auf der Bank liegt. So.

Grüße

Chris.
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

11

Samstag, 17. November 2007, 13:44

Zu Frage 1 (ich muss etwas ausholen):

Gustav IV. (König von Schweden von 1792 – 1809) war entschiedener Gegner der Republik Frankreich und Napoleons. Er lies sich auf einige, meist sinnlose Aktionen gegen französische Truppen in schwedisch Pommern hinreißen. Viele der schwedischen Soldaten kamen in Gefangenschaft. Da taucht schon das erste mal der französische Marschall Jean Baptist Bernadotte auf. Er war Kommandeur der dort oben stationierten franz. Streitkräfte. Er behandelte die Schweden sehr zuvorkommend. Später marschierte Russland – damals noch verbündet mit Frankreich und abgesprochen mit Napoleon – in Finnland ein (gehörte da noch zu Schweden). So musste also Schweden dort auch Krieg führen. Damit nicht genug und in völliger Fehleinschätzung seiner Möglichkeiten, griff Gustav IV. aus Wut über die Verluste in Finnland, das damals noch zu Dänemark gehörende Norwegen, an. Es ist klar zu sehen – es gab schon öfters Dreifronten Kriege. In dem Moment war es aber dem Militär zu viel und es putschte. Der Putsch gelang und Gustav IV. wurde abgesetzt und musste unterschreiben, dass er und alle Nachfahren für immer auf den schwedischen Thron verzichten. Als König wurde nun der beliebte Herzog von Södermannland, als Carl XIII eingesetzt, der in der Kinderzeit von Gustav IV. bis zu seiner Volljährigkeit interimsmäßig, auf dem Thron war. Nun tritt das zweite mal der Marschall Bernadotte in Aktion. Schweden bat an allen drei Fronten um sofortigen Frieden. Russische Kosaken waren schon auf der Insel Åland und im Begriff auf das schwedische Festland überzusetzen (das Meer war zugefroren). Bernadotte schloss Frieden mit Schweden, was Napoleon überhaupt nicht gefallen hat. Der wollte nämlich dass die Dänen vom Süden her in Schweden einfallen.

Carl XIII. war aber Kinderlos und so gab es keinen Thronfolger. Man beschloss also einen zu Adoptieren. Der erste in der Wahl war der dänische Prinz Carl August. Dieser starb jedoch bei einer Truppenparade der Kronprinz Husaren auf mysteriöse Weise. Bis heute hält sich das Gerücht, dass er vergiftet wurde.

Irgendwann kam man auf die Idee den Marschall Bernadotte zu fragen. Er war mehrmals positiv aufgefallen. Er stimmte zu und auch Napoleon gab sein Einverständnis. Beide waren sich nicht grün. Da verrechnete sich aber Napoleon, denn er dachte dass Schweden nun mit ihm zusammenarbeiten würde. Die Geschichte hat es anders bewiesen. Ich kürze mal ein bisschen ab – ich könnte noch viel erzählen.

1813 war der Kronprinz von Schweden (vorher Marschall Jean Baptist Bernadotte) Chef der Nordarmee. Eine der drei Armeen, die gegen Napoleon von den Verbündeten aufgestellt wurden.

Der Kronprinz von Schweden (später König Carl XIV. von Schweden) rief damit seine Landsleute zu den Waffen.

Zu 2: Daraus ergibt sich, warum er Napoleon (Beherrscher des südlichen Europa) kannte, und wusste wie ihm beizukommen ist.

Zu 3: ergibt sich

Zu 4: Du solltest Le Hussard sein Angebot nicht ausschlagen, etwas aus dem russischen zu übersetzen. Vielleicht wurde der Postdampfer abgefangen und Du musst irgendwann Auslöse nach Russland zahlen. Dann solltest Du jemanden haben, der übersetzen kann.
(Das ist natürlich kompletter Blödsinn und Spaß – ich wollte Dir nur die Zeit des Wartens verkürzen. Ich weiß wie das ist. Muss ich doch manchmal auch ganz schön lange auf Pakete aus Schweden warten.)

Gruß Thomas

Ich beantworte gern alle Fragen!
Gruß vom alten Schweden

Thomas

12

Samstag, 17. November 2007, 16:21

Hallo Schwede,

vielen lieben Dank für Deine Erklärung eines für mich völlig neuen Gebietes!!! ich habe es mit genuß gelesen!

Mit den Russen muß ich mich nun aber nicht mehr rumschlagen, denn:

DER SÄBEL IST DA!!!!!!!! HURRA!!!!!!!! :]

Viele Grüße!!

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

13

Samstag, 17. November 2007, 16:30

Ganz herzlichen Glückwunsch zum Neuerwerb. Hoffentlich bekommen wir bald Bilder von dem Stück zu sehen.

Danke fürs "Übersetzen"!!! :] :] :]

Gruß Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

14

Samstag, 17. November 2007, 16:39

...den Sübel kennt Ihr schon aus "Harte Nüsse"...Bilder folgen noch...

und: sehr gern geschehen! Immer wieder! :)

Gruß

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"