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Samstag, 24. Juni 2006, 21:34

Hirschfänger "Extrastück" - getragen beim Jägerdetachement Lippe-Schaumburg-Waldeck
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!

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Samstag, 13. März 2010, 11:00

Manchmal lohnt sich über die Grenzen zu schauen - tief im Moskau habe ich ein Hirschfänger gefunden, der von den Freiwilligen Jäger Lippe Waldeck in der Zeit 1814-1815 getragen wurde. Nach langem hin und her, könnte russischer Kulturministerium überzeugt werden, das es hier kein russ. Kulturgut ist und der Hirschfänger dürfte das Land Richtung Deutschland verlassen. Damit ist seine kleine Weltreise (Lippe-USA-Russland-Bayern) erst beendet wurde. Ist zwar nicht im bestem Zustand, aber wenn man die Gesamtanzahl berücksichtigt und die spätere Verwendung bei der Gendarmarie, kriege ich im besserem Zustand wohl nicht.
Meine erste Idee, als ich den Hirschfänger gesehen habe, es soll sich um eine Offz. Ausführung handelt, dann habe ich meine Unterlagen geprüft - die Offz. haben ein Säbel mit "gelbe" Montur getragen. Für eine Mannschaftswaffe haben sich, eigentlich arme Fürstentümer, richtig in Zeug gelegt.
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!

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Samstag, 13. März 2010, 11:52

Schon intetressant, wo solche Stücke manchmal auftauchen.

Gruss
blankhans

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Samstag, 13. März 2010, 12:11

Zitat

Original von blankhans
Schon intetressant, wo solche Stücke manchmal auftauchen.

Gruss
blankhans


Finde ich auch! Wie HF nach USA gekommen ist, kann man jetzt leider nur spekulieren - möglich sind mehrere Varianten, es ist auch unklar, ob noch zwischen Stationen gab. Dann auf irgend eine Mili.-Börse in USA als Teil des großen Posten von einem russ. Händler (ohne Wissen was das ist!) gekauft. Irgendwann habe ich HF im Online-Shop entdeckt und schickte Freunde, die HF erst für mich gekauft haben und dann die Formalitäten erledigt haben (Sammlernetzwerk ist was ganz feines und nützliches!). Und jetzt freue ich mich wie ein Schneekönig :D
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!

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Samstag, 13. März 2010, 15:31

Das glaube ich Dir gerne.

Gruss
blankhans

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Freitag, 23. April 2010, 11:49

Und jetzt die Geschichte:


Zur Belagerung der Festung Mainz ruckten die Freiwillige Jäger ohne Hirschfänger aus, da die Zeit für die Fertigung nicht mehr ausreichte. Die spätere Bestellung direkt vor Ort in Mainz zusammen mit einigen anderen Missgeschicken, veranlasste den verdienstvollen lippischen Hauptmann Falkmann sein Abschied zu nehmen.

Auf Druck von Major von Pawel, hat Hauptmann Falkmann bei dem Schwertfeger Peter Ernst in Mainz nach der Übergabe der Festung an die alliierten Truppen, Hirschfänger für seine Jäger-Kompanie bestellt und mit dem Schwertfeger am 10. Mai 1814 folgenden Vertrag abgeschlossen:
1) Der Schwertfeger Peter Ernst übernimmt für die freiwilligen Jäger von Lippe-Waldeck in Zeit von sechs Wochen 170 Hirschfänger mit blau angelaufenen und Hohlgeschliffenen Klingen 26 Zoll lang zu liefern, welche der schon abgegebene Probe gleich sind.
2) Für diese Hirschfänger werden pro Stuck 51/2 Gulden (5Fl. 30 Kr.) gleich nach der Ablieferung aus der Kasse des Bataillons bezahlt.
3) Sollte das Jäger-Korps vor Ablauf der zur Ablieferung der Hirschfänger festgesetzten Zeit von sechs Wochen auseinandergehen, so werden die Hirschfänger dennoch angenommen, und wenn das Korps in diese Zeit an einem anderen Ort marschieren sollte, so sorget solches für den Nachtransport derselben.

Hauptmann Falkmann sagte am 12. 1814 August in Detmold aus, dass beim Abmarsch wäre bestimmt gewesen, dass die Jäger Hirschfänger tragen sollen, zu welchem Zweck ihnen auch die Koppel mitgegeben wären. Major von Pawel habe ihm, als er zur Armee gestoßen sei, sogleich sein Unzufriedenheit über das Fehlen der Hirschfänger ausgedruckt, auch habe der Herzog Ernst diesen Mangel ungnädig bemerkt, bei dem Hauptmann Falkmann sich jedoch mit Unmöglichkeit, solche bei den überlasteten mit der Arbeit Waffen-Manufakturen anzuschaffen, entschuldigt habe. Ein Hanauer Schwertfeger habe nach einer eingereichten Probe die Lieferung übernehmen wollen, aber das Stück zu 6 Fl. und könnte erst in 2 bis 3 Monaten liefern. Peter Ernst habe dagegen angeboten, innerhalb 6 Wochen das Stück zu 5 Fl. nach der Hanauer Probe zu liefern. Graf zu Waldeck hat die Probe von den Verwaltungsräten beider Bataillone besichtigen lassen und Hauptmann Falkmann darauf erläutert, das die Anschaffung einstimmig genehmigt sei und befohlen die Hirschfänger für alle 3 Korps zu bestellen. Sämtliche Jäger hätten bessere Hirschfänger mit blau angelaufenen Klingen und der Aufschrift „Freiwillige Jäger von Lippe-Waldeck“ haben wollen und angeboten die Mehrkosten von 30 bis 36 Kreuzen dafür selbst zu übernehmen. Wegen der Abwesenheit des Grafen zu Waldeck hat der Hauptmann Falkmann die wirkliche Abschließung des Kontraktes zum Hauptmann Meister angezeigt. Einigen Jäger wollten sogar noch bessere Hirschfänger als die bestellten gewünscht und deswegen besondere Verträge mit Peter Ernst abgeschlossen.
Da die Jäger zur Zeitpunkt der Lieferung schon zurückgekehrt waren, schlug Schaumburger Regierung in Detmold und Arolsen vor, dass der Hauptmann Falkmann beauftragt werden soll, das Geschäft sowohl mit dem Peter Ernst in Mainz, als auch mit den einzelnen Jäger zu beenden und durch eine angemessene Zahlung vom Geschäft zurücktreten „ da die Hirschfänger doch wohl nicht einmal gebraucht würden“.

Inzwischen hat der Hauptmann Falkmann seinen Dienst niedergelegt, so dass Hauptmann Meister mit diese Aufgabe beauftrag war. Peter Ernst forderte als Entschädigung zuerst 400 Fl., wollte aber später mit 30 Karolin oder 330 Gulden zufrieden geben. Die Detmolder Regierung bot 250 bis 280 Fl., sonst sollte das Geschäft bis zu Ende abgewickelt werden. Schließlich einigten sich die Beteiligte auf 330 Gulden als Entschädigung für Peter Ernst und die Beendigung des Vertrages. Lippe sollte für 80 Jäger 86 Rtl. 9 Mgr. 5 5/17 Pfg. zahlen, Waldeck für 60 Jäger 64 Rtl. 25 Mgr. 4 9/17 Pfg. und Schaumburg-Lippe für 30 Jäger 32 Rtl. 12 mgr. 2 3/17 Pfg., bzw. zusammen 183 Rtl. 12 Mgr. Jäger, die sich selbst Hirschfänger bestellt haben, sollten das Stück zum Preis 3 Rtl. 2 Mgr. erhalten.
Die Verhandlungen mit dem Schwertfeger haben sich bis zum Frühjahr 1815 gezogen, als Napoleon schon wieder in Paris angezogen. Im Hinblick auf die neue politische Situation in Europa schrieb Fürst Georg Wilhelm am 7. April 1815 aus Wien: „Da bei den Eingetretenen politischen Konjunkturen leicht geschehen könnte, dass man die in Mainz bestellte Hirschfänger dennoch haben müsste, so gebe ich der Regierung anheim, mit den Behörden in Detmold und Arolsen in Verbindung zu treten, um statt den Handel durch Zahlung des Reukaufs rückgängig zu machen, ihn vielmehr, wenn es noch angängig , in Vollziehung zu setzen“ Nachdem die Regierungen in Detmold und Arolsen dem Vorschlag des Fürsten zugestimmt haben, wurden die umstrittene Hirschfänger angenommen und ein Teil nach Frankfurt zur vorübergehenden Aufbewahrung geliefert. Schon Bald haben die Hirschfänger die Verwendung bei den Jäger Lippe-Waldeck gefunden.
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!

7

Freitag, 23. April 2010, 15:07

Wo hast Du denn das ausgegraben? Das ist wirklich beeindruckend.

Gruss
Dieter

8

Freitag, 23. April 2010, 15:48

Ich habe das bei den .... Schaumburger ausgegraben. Schaumburger hatten den kleinsten Anteil in gemeinsamem Kontingent Lippe-Waldeck-Schaumburg, aber am meisten gemeckert und sehr viel darüber auf dem Amtswege notiert. So könnte jetzt die vergessene Geschichte des Hirschfängers aufgefrischt werden.
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!