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Freitag, 9. April 2010, 13:41

Verantwortung übernehmen

Immer wieder werden Beiträge eingestellt zu Fragen der "Restaurierung" oder zu anderen Zustandsänderungen an Blankwaffen.
Zuletzt beschäftigte sich jemand mit dem Gedanken, eine Eigentumswaffe mit Ätzdekor, die nicht geschärft war,
anzuschärfen, bzw zu schleifen!

Auch wenn ich vielleicht jetzt altklug daherkomme, möchte ich dennoch ein paar
Gedanken dazu loswerden:

Da hat eine Waffe oft mehr als hundert Jahre überstanden, entging der Verschrottung,
spielenden Kinderhänden, Bombenangriffen, Bränden, Verlust und mehr.
Sie ging von Hand zu Hand, von Generation zu Generation, oder verschlief die
Zeit in einem Winkel eines Dachbodens....ohne zu verrosten.
Nun aber gelangt sie in die Hände eines Menschen, der zunächst begeistert ist,
eine "echte Waffe" gefunden zu haben. Und der macht mit ihr Dinge, die sie für immer
verändern: und damit wird ein wertvolles Zeugnis von Art und Beschaffenheit der Waffen
zerstört.
Schade.
Deshalb: Gegen eine Rettung vor endgültigem Zerfall (sprich eine behutsame und fachgerechte Konservierung des
Ist-Zustandes ist nichts einzuwenden, im Gegenteil! Das ist die größte Liebe, die ein Neubesitzer dem eigenen Stück gönnen kann, denn
er zeigt sich als vorübergehender Besitzer, der sicher nicht der letzte sein wird
in der langen Lebensgeschichte so einer Waffe, verantwortungsbewußt!!!
Aber fast alles, was hierüber hinausgeht, ist eigentlich kaum vertretbar!

Man stelle sich vor, es findet jemand eine alte Handschrift, denkt sich nichts dabei, und wirft sie in den
Papiermüll, und sie endet als Klopapier, obwohl sie sonst vielleicht geholfen hätte,
eine Ära zu verstehen!

Deshalb sollte jeder - vor allem die Neulinge auf diesem Gebiet! - bedenken:
Die Waffe ging durch viele Hände, die sie nicht zerstörten. Zerstöre deshalb auch Du sie nicht!
Sondern bewahre sie und erfreue damit die Besitzer der nächsten 100 Jahre. Wer also eine Blankwaffe findet, erbt oder kauft,
trägt eine Verantwortung und sollte sich selbst in die Pflicht nehmen.

Viele Grüße

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

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Freitag, 9. April 2010, 16:09

jawoll. ich hoffe, dass ALLE, die diese treffenden zeilen lesen, sich den inhalt zu herzen nehmen. vielen dank für die, hoffentlich wachrüttelnden, zeilen. gruß. r.

3

Freitag, 9. April 2010, 19:56

Vollkommen deiner Meinung!

Bekomme selber des öfteren Anfragen von Anfängern auf dem Gebiet des Seitengewehrsammelns. Immer schließe ich einen expliziten Hinweis bzw Ratschlag auf den Umgang mit solchen Stücken ein.

Ein weiteres großes Problem was wir aktuell haben ist das nachträgliche Ätzen von Dienstseitengewehren 84/98III sowie das nachhaltige Interesse an solchen Stücken, und zwar nicht von Sammlern sondern eher von Mitgliedern einer anderen Fraktion.

Solange diese Leute solche Stücke für 150 bis 200 Euro kaufen, laufen in unseren östl. Nachbarländern die Ätzbäder heiß und es werden gute Realstücke dauerhaft zerstöhrt.

Ansprechen tu ich das weil auf diesem Weg auf kommerzielle Art und Weise im großen Stil hist. Stücke zerstöhrt werden.

Was dagegen tun, Anfänger darauf aufmerksam machen, auf diversen Webseiten auf die Wertlosigkeit solcher Stücke hinweisen.... alles vollkommen in Ordnung.

Aber alle diese Hinweise erreichen maximal interessierte Sammler bzw Neuanfänger. Leider aber nicht diejenigen die solche Stücke m.M bevorzugt kaufen.
Deshalb wird das so weitergehen, schade im jedes Stück das dabei zerstöhrt wird!

Sammlergruß
S. T.

4

Sonntag, 25. April 2010, 17:19

Bravo +Rapax+ und vor den Vorhang!!!!
Vernünftigerweise steht dein Beitrag voran und sollte DIE Pflichtlektüre für jeden, der hier eintritt (aber auch schon hier ist...) werden. Nochmals, kann deinen Grundsatzbeitrag gar nicht ausreichend genug würdigen (ich spreche aufgrund immer wieder diesbezüglich einlangender Anfragen, aber auch sonst aus leidvoller Erfahrung...)
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

5

Dienstag, 27. April 2010, 09:22

Meine Meinung ist etwas anders als die bisher geäußerten, teilweise sehr schwülstigen.
Von einem wirklich kulturgeschichtlich/militärgeschichtlichem Wert kann man doch wohl nicht bei jeder Blankwaffe ausgehen.
Wer will entscheiden, was an konservatorischen Maßnahmen vertretbar ist. Für mich ist die Herstellung des ehemaligen Zustands durch Restauration kein Frevel. Wohlgemerkt nicht Umbau oder Umgestaltung zu etwas völlig anderem.
Ein Beispiel aus meinem Sammlungsgebiet: Helme aus der Kaiserzeit(auch gern als Pickelhauben bezeichnet) haben für einige Sammler den größten Wert, wenn sie möglichst seit hundert Jahren unberührt und ungepflegt sind. Was spricht dagegen, einem solchen Helm die Pflege angedeihen zu lassen, die ihm damals auch gegeben wurde.
Sei's trüber Tag, sei's heitrer Sonnenschein,
Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein!

www.kuerassier.de

6

Donnerstag, 29. April 2010, 21:28

....mag sein, dass es tatsächlich etwas schwülstig formuliert wurde, möglicherweise wäre es dann etwas leichter zu verstehen...
ich kann NICHT erkennen, dass Deine Meinung anders ist. Im Gegenteil, Du drückst es nur anders aus:

GUT:

- Pflege
- Herstellung des damaligen Zustands
- Unberührtheit

Schlecht:

- Umbau oder Umgestaltung zu etwas völlig anderem.

Wenn man nicht entscheiden kann, was an konservatorischen Maßnahmen vertretbar ist, sollte man die Finger davon lassen.

Noch schwieriger ist es manchmal, zu entscheiden, ob etwas aktuell von kultur-/ oder militärgeschichtlichem Wert ist. Was heute gilt, kann morgen anders sein!

Vor allem galten meine Worte nicht eingefleischten Sammlern (die wissen in der Regel, was sie tun). Sie waren eine spontane Reaktion auf sich zuletzt häufende Fragen
nach Vorgehensweisen, die SICHER eine Totalentwertung des betreffenden Stückes mit sich gebracht hätten.
Und daraus kann man erkennen, dass sich eben nicht nur eingefleischte Sammler und Liebhaber in diesem Forum anmelden.

Übrigens hatten wir zu Hause eine Pickelhaube aus der Familie. HATTEN. Ich habe sie zum Spielen genommen. Und daraus einen Weltraum-Helm gemacht. Ich glaube,
ich hab den sogar noch irgendwo. Aber ich glaube, Du wirst daran kein Interesse haben.

Viele Grüße

Chris
"So ´n Säbel haben und dann den Zupperdenten immer auf´n Kopp"

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Sonntag, 9. Mai 2010, 16:10

Schwülstig hin oder her: hier spricht für mich kein blutarmer "Nur-Theoretiker", sondern jemand, der mit Herzblut an der Sache hängt--da darf es schon mal etwas überborden--das Gute steht hier für mich in jedem Falle erkennbar voran---daher nur weiter so: Avanti-Coraggio!!
Es grüßt euch
Gerhard
A.E.I.O.U.