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Donnerstag, 19. Oktober 2006, 15:35

Degen

aus "Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft" von J. G. Krünitz (erschien 1773 bis 1858 in 242 Bänden ):

Degen , L. Gladius, Fr. Epée, ein bekanntes Gewehr, welches aus einem langen schmalen, auf zwo oder auch drey Seiten schneidenden spitzigen Eisen, das man die Klinge nennet, und einem aus Stahl, Eisen, Messing, Silber oder Gold gemachten Gefäße oder Handgriffe besteht, in einer Scheide an einem Gehenke bey uns an die linke, bey einigen orientalischen Völkern aber an die rechte Seite gehänget wird, und sowohl zur Bezeichnung eines Vorzuges, als auch zur Beschützung dienet. Man kann die Degen heutiges Tages füglich auf zwo Hauptarten setzen;nämlich sie sind entweder 1) große Rauf= und Soldatendegen, oder 2) kleine, leichte, schmale und kurze Galanteriedegen. Jene, die großen, sind wiederum, nach dem Unterschiede der Klingen und Gefäße, Hau= oder Stoßdegen. Zwar können unter dem Worte Degen, wenn es im weitläuftigem Verstande genommen wird, auch noch alle große Schlacht= und Richt=Schwerter, Pallasche, Säbel, Hirschfänger oder Jagdmesser, kurze krumme Degen, oder sogenannte Dusacke, Dolche, ja auch Rappiere und Bayonete, verstanden werden;wie denn auch alle diese Arten eines Gewehrs zum Hiebe und Stiche, nicht nur theils in der Form, theils im Gebrauche, ziemlich mit einander übereinkommen, sondern auch von den Langmesserschmieden verfertiget werden, indem diese sich in zwo Branchen theilen, wovon die eine die Degenklingen, die andere aber die Gefäße und andere Zuthat verfertiget, und jene die eigentlichen Degenklingen=Schmiede, diese aber die Schwertfeger sind. Allein, in ganz engem Verstande unterscheidet man heut zu Tage die eigentlichen Degen von Schwertern, Pallaschen, Säbeln, Hirschfängern, Dusacken, Dolchen und Rappieren, welche Arten deswegen unter ihren besondern Artikeln erkläret werden sollen. Nur Schwert und Degen werden in dem Titelworte Schwertfeger für eins genommen. Eigentlich aber ist doch ein Schwert von einem Degen, besonders in Ansehung der Klinge, unterschieden, als welche an einem Degen nicht so breit, nicht so platt, und auch nicht so stark, als wie an einem Schwerte, zu seyn pflegt.

In den alten Zeiten ist unter Schwert und Degen kein anderer Unterschied gewesen, als daß man die großen Schlachtschwerter nicht an der Seite, sondern in Händen auf der Schulter, oder gerade vor sich, getragen, welche die zu Fuße streitenden Deutschen brauchten, und mit beyden Händen regierten, ja gleichsam wie mit Sensen in die Feinde damit hinein maheten. Man findet davon noch entsetzlich große Stücke auf den Rüstkammern, welche von der Stärke der Arme und Knochen der alten Deutschen zeugen. Mit diesen großen Schlachtschwertern aber muß man die an der Seite geführten Schwerter nicht vermengen, welche theils lang, theils kurz waren. Leztere wurden besonders ebenfalls vom Fußvolke gebraucht. Die erstern aber waren die eigentlichen Ritterschwerter, oder der Degen des hohen und niedern Adels, den er an der Seite, sonderlich aber zu Pferde, führte, und welche, nach den hin und wieder noch vorhandenen Stücken, auch gewiß nicht klein, sondern lang, breit und schwer, wiewohl nicht in dem Maaße wie die Schlachtschwerter, waren. Diese hatten insonderheit sehr große Gefäße, und zwar, nach Unterschied der Zeiten, bald mit Bügeln und Stichblatt, bald aber nur mit einer Parierstange, einem Griff und Knopf, versehen. Da nun diese Handhaben sehr lang waren, mithin unter den alten weiten und kurzen Mänteln des Adels hervorrageten, so, daß sonderlich der große Knopf gesehen wurde: so nennten Andere auch wohl einen solchen alten deutschen Ritter einen alten deutschen Degenknopf, als woran sie meistentheils die Hände hatten, und den großen Degen nebst dem Gehenke dadurch tragen halfen. Sie haben sich anfänglich dieses Gewehres mehr zum Hauen, als Stechen, als wozu sie vielmehr Speere, Lanzen und Hellebarden hatten, bedienet, bis man endlich die Uebungen und den Gebrauch zum Stoß aus Spanien und Frankreich bekommen. Und da kamen erst, anstatt der langen Ritterschwerter, welche auch Könige und Fürsten geführet, ja zum Zeichen des Blutbannes in die Wappen gesetzet, und sich bey öffentlichen Solennitäten vortragen laßen, die langen spanischen Stoßdegen auf, daran zwar noch lange Zeit die großen Gefäße geführet, sonderlich aber dieselben mit großen Stichblättern versehen wurden. Endlich aber wurden mit der Zeit etwas leichtere und schmälere Haudegen Mode. Weil aber in Deutschland die wahren Ursachen von dem Rechte, Degen zu tragen, wie in dem Art. Degen tragen erinnert werden soll, nach und nach eingeschränket wurden, folglich bey vielen Personen des Geschlechts= und Buch=Adels, ja anderer freyen und edel geachteten Leute, außer dem Soldatenstande, der Degen nur eine Zierrath und ein Zeichen eines gewissen Grades des Ehrenstandes ward, folglich Zeit, Ort und Zufälle bey vielen Personen gar nicht erforderten, noch weniger aber die Rechte es verstatteten, außer dem Kriege, oder auf der Jagd, oder zur Reise, der Selbstrechts=Beschüzzung und der Verletzung eines Andern wegen, ein eigentliches geschicktes Gewehr zu tragen: so kamen endlich die kleinen, sogenannten leichten, schmalen und kurzen Galanterie= oder Kammer=Degen, nebst den eigentlichen Soldaten= Ritter=Feld= und Rauf=Degen, sowohl zum Hieb als Stich, in Gebrauch.

Wenn ein Degen rostet, so ist er schwer aus der Scheide zu ziehen. Dieser Unbequemlichkeit vorzubeugen, darf man nur die Spitze des Degens mit Oehl, Talg, oder einer andern fetren Materie schmieren, weil der Rost gemeiniglich sich an der Spitze anzusetzen, und das Ausziehen des Degens zu verhindern pflegt.

Was den Degen=Handel anbetrifft, so handeln Einige nur allein mit den Gefäßen, Andere nur mit den Klingen. Siehe Degengefäße und Degenklingen. Wieder Andere führen ganz montirtes Seitengewehr, mit Gefäß, Klinge und Scheide, zum Verkauf. Dergleichen völlig fertige Degen verkaufen insonderheit die Schwertfeger, und die sogenannten französischen Galanteriehändler.
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!

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Mittwoch, 23. Februar 2011, 11:01

RE: Degen

Hallo zusammen

Ja da der Degen sich aus dem Dolch entwickelt hat und der sich absetzt vom Messer, dürften also nur Zwei-, Drei- oder Vierschneidige (-kantige) Blankwaffen Degen heißen.

Jetzt hat es sich aber eingebürgert auch zu Blankwaffen die eine einschneidige, gerade und schmale Klinge besitzen, Degen zu sagen.

Nach der Definition von oben währe das aber falsch, wie benennt man die denn dann richtig ?

Auch Pallasch habe ich dafür schon verwendet gesehen, aber der Begriff wurde wohl ursprünglich von Schwert abgeleitet und mein somit auch eher zweischneidige, gerade und breite Klingen.

Viele Grüße
Wolfgang