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Dienstag, 13. September 2016, 10:00

Säbel für Infanterie, Artillerie, Jäger und Train, Eidgenössische Ordonnanz 1817

Ordonnanz 1817

Das Militärreglement für die Schweizerische Eidgenossenschaft
von 1817 war keine Reglement nach unserem Verständnis, sondern eine
Wehrverfassung. Das Reglement 1817 brachte für das Bundesheer eine vollständige
und geschlossene Wehrordnung. Diese ermöglichte in den folgenden Jahrzehnten
eine straff gegliederte Heeresorganisation und eine militärische Behördenorganisation.
Das Bundesheer wurde aus den kantonalen Kontingenten gebildet. Mit dem
Reglement 1817 begann eine Zentralisation im militärischen Bereich, die langsam
aber stetig zunahm. Die alleinige Kompetenz über die Anschaffung von Ausrüstung
und persönlichen Waffen ging erst 1874 an den Bund. Ebenso wurde die allgemeine
Wehrpflicht erst 1874 eingeführt.

Die Schweiz - wie sie vom Wiener Kongress 1815 definiert
wurde - war ein Staatenbund, die Kanton blieben wie vor 1798 selbständig, auch
im Wehrwesen. Die kantonale Wehrkraft als äusseres Zeichen der eigenen
Souveränität war im Selbstverständnis und in der Mentalität der Kantone tief
verankert. Die Kantone taten sich entsprechend schwer, sich an eine höhere Einheit
zu gewöhnen. Die Kantone und konnten sich auch nur schwer entschliessen, Blankwaffen
und Feuerwaffen nach eidgenössischen Vorschriften zu beschaffen. Das ist eine
Erklärung dafür, wieso dermassen viele Varianten an Eidgenössisch
vorgeschriebenen Blankwaffen vorkommen.


Mustermodelle

Ein grosses Anliegen der Eidgenössischen Militäraufsichtsbehörde
war eine gleiche Uniformierung und Bewaffnung des Bundesheeres. Das Reglement
1817 machte lediglich in den Paragraphen 60 bis 68 und § 81 Vorschriften zur
Bewaffnung und zum Lederzeug. Für die Kavallerie und Train-Wachtmeister war ein
„Husaren-Säbel“ und für Kanoniere, Sappeure, Pontoniere, Jäger, Unteroffiziere,
Korporale, Spielleute, Frater, Zimmerleute und Train-Soldaten ein „Säbel“
vorgeschrieben. Damit die Kantone die vorschriftsgemässen Waffen beschaffen
konnten, wurden in der Zeit zwischen 1818 und 1820 Musterexemplare an die
Kantonalen Zeughäuser verschickt. Aufgrund der in Privatsammlungen und dem
Schweizerischen Nationalmuseum aufbewahrten Musterexemplare, sind wir darüber
im Bild, was für Säbelmodelle vorgeschrieben waren.


Säbel für Infanterie, Jäger, Artillerie und Train,
eidgenössische Ordonnanz 1817

Die entsprechenden Mustersäbel sind auf den ersten Blick
Briquets: Runder Bügel und Griff aus einem Stück gegossen, tropfenförmiges
Parierstangenende. Im Detail aber weichen die Eidgenössischen Griffe von den in
Europa üblichen Briquets ab.

Der Bügel ist eher flach und kantig, ein Merkmal, das auch
bei französischen Briquets der Modellreihe AN IX festzustellen ist. Die
fehlende Wurzel ist fertigungsbedingt und auch bei französischen frühen
Briquets Modell AN XIII üblich. Das auffallendste Merkmal an den
Eidgenössischen Briquets 1817 sind aber die Rillen. Die Rillen sind höher als
die figurierte Griffkappe. Beidseits der glatten Griffkappe verläuft somit eine
deutlich sichtbare Rillenkante. Aufgrund dieses Merkmals sind die frühen
Eidgenössischen Briquets nach Ordonnanz 1817 leicht identifizierbar. Auch die
Anzahl Rillen bei den Musterexemplaren ist speziell eidgenössisch. Die Mustermodelle
weisen durchwegs 31 Rillen auf. Darin unterscheiden sie sich von den Briquets
AN IX mit 36 Rillen und Briquets AN XIII mit 28 Rillen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (13. September 2016, 10:05)


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Dienstag, 13. September 2016, 10:18

Säbel für Infanterie, Artillerie, Jäger und Train, nach Eidgenössischem Muster 1817

Die Bilder 042 bis 045 zeigen einen Säbel des Kantons Luzern. Mit 31 Rillen entspricht er genau dem Musterexemplar. Die erhöhte Rillenkante ist beidseitig entlang der Griffkappe erkennbar. Auf dem Griffbügel ist der Schlag des Kantons Luzern in doppelter Ausführung angebracht. Der Griff ist etwas breiter und somit schwerer und auch mehr kupferhaltig als bei den bekannten Mustermodellen.

Die Bilder 046 bis 048 zeigen einen genau gleichen Säbel wie der Luzerner Säbel, allerdings ohne Kantonsschlag. Auch hier ist die vorstehende Rillenkante gut sichtbar. Der Stiefel der Scheide ist nicht ausschliesslich aus Messingblech und wird mit einem Eisenstift geschlossen.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • 042.JPG
  • 044.JPG
  • 045.JPG
  • 046.JPG
  • 047.JPG
  • 048.JPG

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Dienstag, 13. September 2016, 21:53

Säbel für Infanterie, Artillerie, Jäger und Train, nach Eidgenössischem Muster 1817; Kanton Bern

Säbel mit Griff nach Mustermodell 1818. Der Griff hat 31 Rillen. Die Klinge ist mit dem Berner Arsenalstempel (AA = Auszüger Armatur) markiert und der Nummer .3436. Die Messingteile wurden seit Jahrzehnten nie berührt, so dass eine prächtige Patina entstehen konnte.

Die Scheiden der Briquets 1817 werden meist mit einem Trageknopf, der am Mundblech angelötet ist, im Lederzeug befestigt. Bei den Berner Säbeln mit vermutlicher Originalscheide ist oft die auch in Frankreich übliche Befestigungsart mit einer Lederzunge, die aus einem Schlitz am Mundblech herausragt, zu finden. Sehr häufig ist auch die aufgelötete Tragöse, an der ein Lederstrippchen angenäht ist. Die alten Originalscheiden haben meist an Stelle des Ortknopfs einen Metallstift am Stiefel angelötet.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • CH Briquet 1817 001.JPG
  • CH Briquet 1817 002.JPG
  • 038.JPG
  • 039.JPG
  • 040.JPG
  • 041.JPG

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Dienstag, 13. September 2016, 22:13

Säbel 1817 mit 34 Rillen; Kanton Bern

Berner Säbel mit 34 Rillen. Das ist keine Ausnahmeerscheinung. Es finden sich wahrscheinlich viel mehr Berner Säbel der Ordonnanz 1817 mit 34 Rillen statt der beim Musterexemplar vorgesehenen 31 Rillen. Gut sichtbar ist die Rillenkante. Bei diesem Exemplar wird die Scheide an einem mandelförmigen Trageknopf im Lederzeug besfestigt. Stifel mit Ortknopf. Die Garnituren sind gedrahtet.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • 029.JPG
  • 030.JPG
  • 032.JPG

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Dienstag, 13. September 2016, 22:51

Tragearten des Säbels für Infanterie, Artillerie, Jäger und Train, Eidgenössische Ordonnanz 1817

Die Ordonnanz 1817 sieht für den kurzen Säbel zwei Tragearten vor: Entweder in einem Säbelkuppel um dem Bauch oder in einem Schulterbandelier.

Nach dem Wortlaut der Ordonnanz 1817 tragen die Kanoniere den Säbel an einem weissen ledernen Kuppel über die Achsel. Die Bewaffnung der Train-Soldaten ist ein Säbel an einem weissen Kuppel um den Leib getragen. Die Infanteristen (Jäger, Unter-Offiziere, Korporale, Spielleute, Frater und Zimmerleute) tragen den Säbel am Wehrgehäng. Leider sind vom Lederzeug keine Musterexemplare bekannt, so dass man sich in der Forschung auf die Ikonographie stützen muss.

Bild 05 zeigt eine weisses Säbelkoppel. Bild 06 zeigt die Rückseite des Säbelkoppels mit dem Berner Arsenalzeichen (Doppeltes A mit Krone). Im Säbelkoppel steckt ein Säbel mit 34 Rillen. Er wird mit einer Lederzunge, die aus einem Schlitz im Mundblech herausragt, im Koppel eingeschnallt. Der Säbel ist mit dem Berner Arsenalzeichen markiert und trägt die Nummer A .1308. Der Buchstabe A steht für Erste Kompanie.

Bild 10 zeigt die Trageart im Schulterbandelier. Im Bandelier steckt ein Berner Säbel mit 34 Rillen. Er trägt neben dem Berner Arsenalstempel die Nummer .6949. Am Mundblech der Scheide ist eine Tragöse aufgelötet. An der Tragöse ist ein Lederstrippchen angenäht, das im Trageleder eingeschnallt wird.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • CH Briquet 1817 005.JPG
  • CH Briquet 1817 006.JPG
  • CH Briquet 1817 007.JPG
  • CH Briquet 1817 008.JPG
  • CH Briquet 1817 010.JPG
  • CH Briquet 1817 011.JPG

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Mittwoch, 14. September 2016, 22:22

Vorstehende Rillen am Briquet - ein Brücke zwischen den Niederlanden und der Schweiz?

Sind vorstehende Rillen an Briquets ein Alleinstellungsmerkmal für Schweizerische Briquets der Ordonnanz 1817 oder gibt es Länder in Europa, die ebenfalls Briquets mit vorstehenden Rillen führten?

Die Niederlande stellten ihren Infanteriesäbel, der von Puype als Modell 1819 angegeben wird, in Eigenproduktion her. Dieser Säbel kann seine Abstammung vom französischen Modell AN IX nicht verleugnen. Aktuellere Forschungen geben an, dass dieses Modell schon im Jahre 1814 adaptiert wurde und zwar im Generalgouvernement Belgien, das zu dieser Zeit noch Teil der vereinigten Niederlande war. Ab dem Jahr 1817 wurde in den vereinten Niederlanden nur noch dieses Säbelmodell produziert. Die Anzahl von 36 Rillen ist gleich wie beim französischen Modell, ebenso das sich trompetenartig öffnende Parierstangenende mit einer Kugel auf diesem so entstandenen Pyramidenstumpf. Im Gegensatz zu den französischen Modellen ist das Niederländische Modell in der Griffmitte gestiftet. Auffallend und ursprünglich holländisch sind die vorstehenden Rillen. Bild 14 zeigt den Niederländischen Säbel mit Griff wie das französische Modell AN IX, jedoch mit einem Stift in der Mitte des Griffs, der durch Griff und Angel getrieben ist. Bild 15 zeigt die Rillenkante mit den über die figurierte Griffkappe vorstehenden Rillen. Die Klingenlänge bei diesem Säbel beträgt 57,5 cm.

Der Niederländische Schiffsäbel Modell 1818 hat abgesehen von der niedrigeren Anzahl Rillen eigentlich den gleichen Griff wie die schweizerischen Briquets der Ordonnanz 1817. In den übrigen Merkmalen, insbesondere der sehr langen Klinge von 67,5 cm und der breiten Hohlrinne zeigt er spezifisch holländische Eigenkreationen. Bild 16 zeigt den Säbelgriff des Niederländischen Schiffsäbels Modell 1819, auf Bild 17 ist die Rillenkante mit den über der figurierten Griffkappe vorstehenden Rillen zu sehen. Bild 19 zeigt die Markierung auf der Klinge des Niederländischen Schiffsäbels und Bild 20 die Markierung auf dem Bügel.

Der Kanton Bern hatte bereits 1760 einen Infanteriesäbel eingeführt, bei dem der Säbel der Schweizer Regimenter in holländischen Diensten Modell stand. Es ist urkundlich belegt, dass im Jahre 1817 bei der Evaluation für den Offiziersdegen auch der holländische Offiziersdegen, der sich seinerseits an den preussischen Offiziersdegen anlehnt, zur Diskussion stand. Die holländischen Blankwaffen waren in der Schweiz bekannt, leisteten doch immer noch Offiziere und Soldaten Dienst in niederländischen Einheiten. Bereits in der Zeit zwischen 1804 und 1817 hatten einige Kantone - unter anderem Zürich - einen Infanteriesäbel mit den ansonsten nur in Holland vorkommenden breiten Rillen (gemäss Puype Infanteriesäbel N°1, Modell 1807) eingeführt. Im Gegensatz zum Niederländischen Modell mit einer Rückenhohlrinne hatte die Schweizer Variante eine volle Keilklinge.

Ich stelle hier lediglich fest, dass Holland und die Schweiz Briquets mit vorstehenden Rillen führten.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • CH Briquet 1817 014.JPG
  • CH Briquet 1817 015.JPG
  • CH Briquet 1817 016.JPG
  • CH Briquet 1817 017.JPG
  • CH Briquet 1817 019.JPG
  • CH Briquet 1817 020.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (17. September 2016, 05:58)


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Montag, 6. November 2017, 05:02

Sind vorstehende Rillen an Briquets ein Alleinstellungsmerkmal
für Schweizerische Briquets der Ordonnanz 1817 oder gibt es Länder in Europa, die ebenfalls Briquets mit vorstehenden Rillen führten?

Die Niederlande stellten ihren Infanteriesäbel, der von Puype als Modell 1819 angegeben wird, in Eigenproduktion her. ...

Ich stelle hier lediglich fest, dass Holland und die Schweiz Briquets mit vorstehenden Rillen führten.



Zur Verdeutlichung ein M1819 'Infanteriesabel Hollands Model No2', der nach der Gründung Belgiens dort weitergeführt wurde.
Auf dem Bild sieht man, dass die Rippen höher stehen als die angedeutete Griffkappe.
»joehau« hat folgende Bilder angehängt:
  • x Infanteriesabel No2 M1819 f.JPG
  • x Infanteriesabel No2 M1819 ff.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »joehau« (9. November 2017, 05:26)


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Montag, 6. November 2017, 19:52

Hallo joehau, ein sehr schönes Briquet mit AN IX Griff. Was mir besonders auffällt, dass die Scheide - ersichtlich ist lediglich das Mundstück - noch original holländisch ist mit den langen Garnituren.
Besonders interessant auch, wie die historische Zäsur mit B und Jahreszahl deutlich markiert wird.

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Mittwoch, 8. November 2017, 05:02

Infanteriesabel Hollands Model No2

Ich glaube die urspruengliche Scheide fuer dieses Modell war nicht mit Mundblech und Deckblech ausgestattet. Die alten Scheiden hatten ein weisses Befestigungsband fuer die Infanterie oder ein schwarzes fuer die Artillerie.

Der Stempel auf der Scheide zeigt die Jahreszahl 1882.
»joehau« hat folgende Bilder angehängt:
  • Infanteriesabel No2 M1819 j.JPG
  • Infanteriesabel No2 M1819 k.JPG
  • Infanteriesabel No2 M1819 l.JPG
  • Infanteriesabel No2 M1819 m.JPG
  • Infanteriesabel No2 M1819 o.JPG

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Mittwoch, 8. November 2017, 06:53

Danke für den Hinweis joehau, das habe ich verwechselt. Ich hatte einmal ein schweizerisches Briquet mit einer belgischen Scheide, wahrscheinlich eine Sammlermontierung. Die Scheide war mit dem gleichen Mundstück ausgestattet, der Stempel auf der Scheide zeigte ein Jahr um 1880, das eingestanzt R-ähnliche Zeichen war ebenfalls vorhanden. Der Stiefel war auch eingenäht und liess nur den metallenen Ortknopf frei.

Beim dritten Bild von links nach rechts unter dem Titel "Vorstehende Rillen am Briquet - ein Brücke zwischen den Niederlanden und der Schweiz?" vom 14.09.2016 zeige ich eine holländische Scheide mit dem ledernen Scheidenmund. Nicht zu sehen ist der Ortabschluss, der genau gleich aussieht wie bei der von dir gezeigten Scheide.

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Donnerstag, 9. November 2017, 05:24


Beim dritten Bild von links ... vom 14.09.2016 zeige ich eine holländische Scheide mit dem ledernen Scheidenmund...


Ja, so sollte die ursprüngliche Scheide zum Hollands Model No2 wohl aussehen.
Bei meinem ist sie in den 1880er Jahren durch ein neueres Modell ersetzt worden.

Gruss
Jörg