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Montag, 16. Mai 2005, 16:40

M1852/79 von 1905?

Hallo an alle !

Ich habe einen Kavalleriesäbel M1852/79 gesehen, der eine Klingenabnahme von 1905 hatte. Mir war bisher bekannt, daß die M52 durch die KD 89 (um 1890) abgelöst wurden. Ein Truppenstempel war nicht zu erkennen, eine genaue Zuordnung somit nicht möglich.
Hat einer von Euch vielleicht eine Idee, warum ein M52/79 noch 1905 hergestellt wurde, obwohl das Modell ausgemustert wurde?
Der Säbel ist wieder verschwunden, ich kann also auch keine Fotos reinstellen.

Tschüß Roland
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Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten läßt sich immer noch regieren -
bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts.
Otto v. Bismarck

2

Montag, 16. Mai 2005, 17:29

M1852/79 von 1905

Bei dem Kavalleriesäbel 52 mit dem Stempel von 1905 verhält es sich wie folgt:

Der KS 52 wurde, wie richtig ausgeführt wurde, ab 1890 bei der Kavallerie durch den KD 89 ersetzt.

Das heißt nun nicht, daß damit die "alten" Säbel abgeschafft und veräußert wurden. Waffen die für die "kämpfenden Truppen" nicht mehr optimal geeignet waren, konnten dennoch ihren Zweck bei anderen Truppengattungen, z. B. der Artillerie oder dem Train u. a. m., erfüllen und dort noch gute Dienste leisten.

Schade, daß der Truppenstempel nicht festgestellt werden konnte. Wahrscheinlich wurde die Waffe einem Verband des Trains zugeführt. Gemäß kriegsministerieller Verfügung vom 25. März 1897 wurden nämlich die Trainsoldaten, die noch mit dem Kavalleriesäbel a/M (=Blüchersäbel) ausgerüstet waren, auf den KS 52 umgerüstet. Aber auch andere Einheiten erhielten den KS 52.

Was nun die Jahreszahl 1905 auf der Klinge angeht, so ist dazu anzumerken, daß nach Abgabe dieser Waffen von der Kavallerie nach 1890 an die Depots, diese dort einer gründlichen Revision unterworfen wurden. Unbrauchbare Teile wurden dabei natürlich ausgetauscht. So dürfte auch der hier beobachtete Säbel seinen Weg genommen haben.

Noch zwei Anmerkungen:
- Bei der Jahreszahl "05" (für 1905) in Verbindung mit dem gekrönten W handelt es sich nicht um einen Annahmestempel sondern um einen sogenannten militärfiskalischen Stempel. D. h. es wurde das Datum der Übernahme der Waffe oder hier der Klinge in den Bereich des Kriegsministeriums dokumentiert. Die kleinen überkrönten gothischen Buchstaben, die auf den verschiedenen Teilen der Waffen zu finden sind, sind die Abnahmestempel.
- Der Zusatz "/79" beim KS 52 war nie offiziell sondern wurde erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts "eingeführt".

Ich hoffe, die Antwort hilft weiter.

Beste Grüße
"Schwertfeger"
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

3

Montag, 16. Mai 2005, 17:40

Hier ein Kavallerie-Säbel M 1852/79 mit Datum von 1916.

Gruss
blankhans

[IMG]http://www.hosting-place.de/upload/0505/Wachtmeister 1916.jpg[/IMG]

4

Montag, 16. Mai 2005, 17:52

Vielen Dank an "blankhans", daß er zur Illustration Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Anmerkungen zu den Fotos.
- Hier handelt es sich um einen "Kavallerie-Offizier-Säbel M 52". Dieses Modell ist für Wachtmeister/Feldwebel gebaut und unterscheidet sich z. B. durch die Griffwicklung von der Mannschaftswaffe. Das Portepee - statt eines Faustriemens - ist also als dazugehörig anzusehen.
- An dieser Waffe kann man recht schön sehen, daß man beginnend ab 1915 auf andere Werkstoffe als vor dem Krieg zurückgriff. Leder gehörte zu den Materialien, das für andere Zwecke benötigt wurde. Ein Griff aus Holz reichte - wie man sieht - aus!

Viele Grüße
"Schwertfeger"
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

5

Montag, 16. Mai 2005, 18:36

RE: M1852/79 von 1905

Zitat

Original von Schwertfeger
...
Der Zusatz "/79" beim KS 52 war nie offiziell sondern wurde erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts "eingeführt".
...


Danke "Schwertfeger".

Neben der gesamten Ausführung finde ich den oben zitierten Satz äusserst interessant.

Gruß,
Thomas

6

Dienstag, 17. Mai 2005, 09:44

Danke für Eure Antworten!
Die Bezeichnung 52/79 übernahm ich von " Maier ". Ich wußte bisher nicht, daß diese Bezeichnung falsch ist.
Bei den Abnahmestempel ( W93;W05 usw.) nahm ich an, daß diese Stempel bei der Anlieferung der Klingenhersteller an die Depots eingeschlagen wurden und danach erst die Montage des Säbels/Degen erfolgte. Oder irre ich mich wieder?
Freue mich über Eure Erklärungen!

Tschüß Roland
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bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts.
Otto v. Bismarck

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Dienstag, 17. Mai 2005, 11:18

Zitat

Original von traunixmehr Bei den Abnahmestempel ( W93;W05 usw.) nahm ich an, daß diese Stempel bei der Anlieferung der Klingenhersteller an die Depots eingeschlagen wurden und danach erst die Montage des Säbels/Degen erfolgte.


Vorweg:
Unter "Abnahme" im hier besprochenen Fall ist die "Güteprüfung" und Feststellung der Funktionstüchtigkeit zu verstehen und nicht die handelstechnische "Abnahme", also der Ankauf.
Der Stempel W93 oder W05 usw. ist ein militärfiskalischer Stempel, wenn man so will, ein Eigentumsstempel des Staates - hier des Militärfiskus.

Für die Stempelabdrücke gilt folgende Regel: Das W93, W05 usw. wurde dann eingeschlagen, wenn die Waffe oder die Klinge nach erfolgter Güteprüfung auch tatsächlich angekauft wurde. Da die Klinge das wichtigste Teil einer Blankwaffe ist, erfolgte auch dort (fast immer) eine militärfiskalische Stempelung. Dies gilt unabhängig auch davon, daß Gefäße (innere Parierstangenlappen) oder Parierstangen (innen) meist militärfiskalisch gestempelt wurden.

Bei Reparaturen (Lieferung von Ersatzteilen) trifft die oben geäußerte Annahme von "traunixmehr", soweit ich sie verstehe, also zu.

Beste Grüße
"Schwertfeger"
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)