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Mittwoch, 8. April 2009, 16:32

England m/1807 Schweden m/1808

Nun ist es endlich soweit. Ich konnte den lang erwarteten schwedischen Pallasch m/1808 in Empfang nehmen.
Wie schon mehrfach erwähnt, kaufte Schweden im Jahre 1808 2.000 Säbel englische Säbel m/1796 und 2.000 Pallasch m/1807 aus England ein. Der Säbel wurde als Modell m/1808 an die Artillerie ausgegeben.
Der Pallasch wurde als Modell m/1808 bezeichnet und war für die schwere Kavallerie vorgesehen.
Die regulären Truppen der Kavallerie bekamen diesen Pallasch jedoch nie. Es wurden jedoch zum schwedischen Rekrutierungssystem immer Bevärings-mannschaften eingezogen (das waren grob übersetzt Wehrpflichtige - wer über das schwedische Rekrutierungssytem mehr erfahren möchte, sollte auf meiner WEB-Site unter der Rubrik "Fakten und Geschichte" nachsehen).

Bei diesen Bevärings-Mannschaften wurde er erst viel später eingesetzt und blieb dann aber bis weit in die 1880er Jahre im Einsatz.
Z.B. wird am 9.2.1875 bei der "Bewaffnung der verschiedenen Regimenter" erwähnt, dass das Infanterieregiment I23 (königl. Jämtlands Feldjägerregiment) 50 solcher Pallasche für die wehrpflichtige Mannschaft hat.
Durch diesen langen Einsatz sind die Waffen stark gezeichnet.

Nun zu diesem Pallasch.
Er ist noch in der ursprünglichen Form (in England wurden viele Stücke geändert). Das kannn man hier im Forum nachlesen.
Die Klinge war leider in einem bedauernswerten Zustand. Irgendjemand hat dort Centimeter an Centimeter Querkerben rein geschlagen.
Ein hervorragender Klingenschmied hat die Klinge wieder ansehnlich gemacht.
Der Pallasch hat die üblichen englischen Bezeichnungen dieser Zeit. Zahl unter Krone- Tower Abnahme. Birmm = Hersteller Birmingham. 26 - vermutlich Waffennummer.
Auf dem Klingenrücken noch zweimal ein R oder B - wissen die England Kenner was diese Stempel bedeuten?
Jetzt kommt noch das eigentlich interessanteste. Die original Scheide muss im Laufe der Zeit stark beschädigt gewesen sein. Sie wurde damals durch eine Scheide des schwedischen Säbels m/1842 ersetzt.

Länge gesamt: 1.05 m
Länge ohne Scheide: 1,03 m
Klingenlänge: 87 cm
Klingenbreite: 3,7 cm
Gewicht mit Scheide: 2,08 kg
Gewicht ohne Scheide: 1,1 kg
Pfeilhöhe 0,2 cm

Buchstaben auf der Scheide:
Grundsätzlich wurden nur zwei Abnahmestempel eingeschlagen. Der letzte ist auch späteren Datums.
Wurde bei der Verheiratung des Pallasch mit der Scheide dieser Stempel geschlagen?

TW = Wrangel, Tönnes Reinhold Henric Adolf
Besichtigungsoffizier bei Carl Gustaf 1842 - 44

PS = Sandahl, Per
Stockholm 1834 - 1880

TLN = Norrlander, Theodor Ludvig
Carl Gustaf Stad 1880 - 1887

Kleine Änderung auf Grund eines aufmerksamen Forummitgliedes
Dieser Pallasch hat in England die Bezeichnung m/1796!!

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und Schauen.
Gruß vom alten Schweden

Thomas

2

Mittwoch, 8. April 2009, 20:44

WOW!!!

Wunderschönes Stück und dann auch noch so selten für Dein Sammelgebiet. Ich würde mich ja schon über das rein engl. Modell freuen!!

Bei dem B kann ich mir nur eine Prüfmarke vorstellen, kann dies aber nicht belegen oder mit Namen untersetzen.

Herzlichen Glückwunsch zu der Neuerrungenschaft
Jens

3

Donnerstag, 9. April 2009, 19:29

Danke fürs zeigen der schönen Stücke.
Kleine Korrektur: auch der Pallasch ist ein M1796-den gabs als LC (leichte Kav) und HC (schwere Kav).

MfG

Peter

4

Freitag, 10. April 2009, 10:45

Danke für die Korrektur. Ich bin jetzt nur etwas verwirrt. Im großen Wagner wird das Teil als Pallasch m/1807 bezeichnet. Was ist nun richtig?
Gruß vom alten Schweden

Thomas

5

Freitag, 10. April 2009, 12:14

Lt "British Military Swords"(H.J.S.Withers)/"Weapons and Equipement of the Napoleonic Wars"(P.J. Haythornthwaite) gibt es kein M1807-da irrt der Wagner.
Die M1796 wurden durch die M1821 LC/HC ersetzt-dazwischen gab es keine regulären Modelle.

Vllt wertet der Wagner die Modifikation des Griffstückes/Umarbeitung auf Mittelspitze/Entfernung der "Langets"(wie nennt man die Teile eig auf Deutsch?) als eigenes Modell.
Wobei diese Änderung deutlich nach 1807 durchgeführt wurde-insbesondere die offizielle Änderung auf Mittelspitze

6

Freitag, 10. April 2009, 12:48

Danke für die Berichtigung, Peter.
Man lernt doch nie aus.
Gruß vom alten Schweden

Thomas

7

Freitag, 10. April 2009, 18:07

Hallo Thomas!
Hier wird Heavy Metal gegeben und da muss ich dabei sein--die englischen Pallasche, (ungemein attraktiv übrigens-wusste nicht, dass Schweden solchige hatte-- ) die können schon was und vor allem die sind österreichischen Pallaschen verdammt ähnlich!!
Weil es so schön passt:
ich empfehle für Interessierte, falls noch nicht bekannt, das Thema:
"Pallasch der österreichischen schweren Kavallerie M1769/75" in der Ö-Ecke, wo ich in meinem Beitrag meinen sammlerischen Unerfahrenheits-Fauxpas in Verwechselung eines erwarteten vermeintlichen österr. M1769/75 mit einem englischen
"Heavy Dragoon Sword M1798", der aufgrund der wertvollen Information von Black natürlich ein M1769 sein sollte, outen musste--sie sind sich (auf den ganz ersten Blick) ja sooo ähnlich.....
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

8

Freitag, 10. April 2009, 18:52

Die sind nicht umsonst ähnlich--der M1796 ist heftig vom Österreicher "inspiriert" (Kopie hört sich so bös an).
Gaspard LeMarchant war bei der ziemlich glücklosen Flandernexpedition Zeuge des eher unglücklichen Abschneidens der engl. Kavallerie und der Fähigkeiten der Österreicher, die damals als die beste Kavallerie Europas galten.

Er entwickelte einerseits einen neuen Schwertdrill (das 1796er Handbuch-gibts günstig als nachdruck) mit den berühmten "six cuts" und eben auch den M1796LC.
Er plante den LC sowohl für die leichte als auch die schwere Kavallerie einzuführen, nach der damaligen Doktrin trugen die schweren Jungs allerdings einen Pallasch--eben den hier angesprochenen M1796HC.

Allerdings setzte sich auch hier die Vorliebe für Hieb statt Stich durch, deswegen die Rückenspitze, die für Stich mehr als ungeeignet war.

Wie sehr sich das bewährt hat sieht man an der späteren Änderung auf Mittelspitze.

9

Freitag, 10. April 2009, 20:10

Danke dir sehr, Black, das sind für mich gute und wertvolle Informationen!!
Meines Wissens nach haben ja auch die k.k. österr. KavS (inklusive der Offiziersmodelle) M1845 und M1850 eine gewisse Verwandtschaft mit Britannien, die ihrerseits wieder Einfluss und Strahlekraft auf einige unserer deutschen Bündnispartner hatten. Nie ganz klar geworden ist mir zugegebenermassen, --wie du hier z.B. beim 1796 und 1769/75 so fein herausgearbeitet hast--, wer hier im Vergleich bezogen auf die österr. 1845/50iger eigentlich die Henne und wer das Ei war?
Ich glaube, im europäischen Kontext ergibt sich hier, sichtbar werdend am konkreten Beispiel, auch der interessante Aspekt von gemeinsamen oder unabhängig von einander laufenden und dennoch ähnlichen Waffenentwicklungen, die es wert wären, als solche erkannt und besprochen zu werden....
mlG und ein schönes Osterfest an euch
Gerhard
A.E.I.O.U.