Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Blankwaffenforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Donnerstag, 17. Februar 2011, 14:14

Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Hallo Sammlerfreunde,

vorgestellt wird das Waidmesser Ordonnanz 1852 welches von den schweizer Scharfschützen geführt wurde.

Verwendet wurde das Waidmesser von den Scharfschützen als eine Art Wirtschaftswerkzeug um im Unterholz oder dichtbegachsenem Gelände Breschen zu schlagen. Denn die Scharfschützen waren aus den Linienverbänden herausgelöst und operierten frei auf dem Gefechtsfeld.

Natürlich wurde diese impossante Blanwaffe auch sicher als Auszeichnung gesehen, welche die Besonderheit der Waffengattung besonders unterstrich. Ähnlich wie bei deutschen Jägerverbänden der Hirschfänger als besondere Blankwaffe geführt wurde. Das Waidmesser was außerdem wesentlich teuerer in der Anschaffung als das normale Dillenbajonett der Infanterie, auch dies zeigt die besondere Wertschätzung dieses Truppenteiles welcher neben dem teueren Waismesser auch noch ein wesentlich konstspieligeres Gewehr führte.

Da das Waidmesser nicht aufpflanzbar ist, führten die Scharfschützen immer noch ein seperates Dornbajonett zum Waidmesser. Dieses wurde am Gehenk oder im Koppelschuh hinter dem Waidmesser getragen.

Waidmesser nach Ordonnanz von 1852 haben an der Scheide keinen Tragehaken sondern die bekannte Lederstrippe wie sie bei allen folgenden schweizer Bajonetten und Faschinenmessern üblich werden sollte.
Waidmesser nach Odonnanz von 1842 besitzen einen Tragehaken.

Da die Blankwaffenherstellung in der Schweiz in den 1850er Jahren noch nicht soweit aufgebaut war, dass größere Mengen qualitativer Stücke gefertigt werden konnten, bestellte man vorwiegend im Ausland. Vor allem die Solinger Fabrikanten sollten einen großteil der Schweizer Blankwaffen der Zeit vor 1878 liefern.

Das gezeigte Waidmesser ist ebenfalls aus Solinger Fertigung von F. Hörster.

Es trägt auf der Parierstange das Kantonswappen von Zürich mit der Stücknummer 653.

Sammlergruß
Sebastian Th.

2

Donnerstag, 17. Februar 2011, 17:47

RE: Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Hallo bayo9805

Guter Beitrag! Gerne will ich noch einige Ergänzungen einbringen, obwohl es nicht mehr viel zu sagen gibt.

Das Waidmesser wurde bis ca. 1878 ausgegeben und dann vom Säbelbajonett 1878, welches alle Gewehrtragenden Soldaten erhielten abgelöst. Die Garnituren wurden genietet, wie auch gedrahtet.

Frühe Stücke sind mit einem 'Knauf' ausgestattet. Spätere Stücke mit einer Lederstrippe.

Bis 1862 wurden die Waidmesser mit Bajonett am Bandulier getragen. Ab diesem Jahr hielt dann die Einführung des Leibgurtes Einzug.

Zum Bajonett noch folgendes:
Dein gezeigtes Stück ist ein kantonales Modell aus der Zeit vor 1851. Mit Einführung des eidg. Feldstutzers für Scharfschützen wurde auch das Stutzerbajonett mit Gleitfeder getragen.
Es wurde bis ca. 1862 ausgegeben und dann durch ein herkömmliches Tüllenbajonett ersetzt. Auch wurden zum Teil Stutzer mit Yatagan-Bajonetten (Feldstutzer 1862) ausgegeben. Diese sind jedoch sehr selten.

Das Kuppel ist aus geschwärztem Leder verfertigt und kann mittels einer Zweidornschnalle verstellt werden. Die Garnituren bestehen aus Messing. Die Scharfschützen war die einzige Truppe bis 1861, die geschwärzte Säbel- und Bajonettkuppel trugen.
Gemäss Literatur sollten die Bajonettscheiden einen Messingstiefel besitzen, in Original Abschriften liesst man von geschwärztem Eisen.

Anbei noch ein kompletter Scharfschütze von 1852:


Scharfschütze 1852

Gruss: Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.

3

Donnerstag, 17. Februar 2011, 18:02

RE: Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Servus mein Freund!!

Herzlichen Dank für das Anhängen der Infos!

Eine Frage hätte ich speziell zu den Kantonsstempel die du mir vll. beantworten kannst. Ist es möglich herauszufinden wie viele Waidmesser der Kanton Zürich konkret angekauft hat? Da ja Stücknummern geschlagen sind, dürften ja entspr. Nachweise angelegt worden sein.

Ist da nochwas erhalten?

Sammlergruß
Sebastian Thiem

4

Freitag, 18. Februar 2011, 21:43

RE: Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Hallo Sebastian

In meinen Unterlagen lässt sich darüber leider nichts finden. Ich kann dir momentan nur soviel sagen, dass gemäss Truppeneinteilung von 1870 der Kanton Zürich 4 Auszugs-Kompanien, 2 Reserve-Kompanien und 2 Landsturm-Kompanien Scharfschützen hatten. Wie gross der bestand so einer Kompanie war, vermag ich nicht zu nennen.
Bestimmt dürfte aber eine Scharfschützen-Kompanie wesentlich kleiner im Bestand gewesen sein als eine Infanterie-Kompanie.


Weiter gab es in der Schweiz gab es damals 9 Scharfschützenbrigaden und 27 Infanteriebrigaden.

Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.

5

Freitag, 18. Februar 2011, 22:12

RE: Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Hallo Dragoner,

na das ist doch schon mal ein Anfang, recht herzlichen Dank für die Infos! Die Frage ist nur, waren alle Züricher Kompanien gleich bewaffnet. Sprich haben neben den Auszugs auch die Reserve und Landsturmkompanien die gleichen Stutzer und Weidmesser geführt?

Sammlergruß
Sebastian Th.

6

Samstag, 19. Februar 2011, 16:22

RE: Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Hoi Sebastian

Das Waidmesser dürften alle Scharfschützen (Zürcher, wie Luzerner, etc) getragen haben. Natürlich wurden vor 1842, resp. 1852 noch die Restbestände von älteren Waidmessern aufgebraucht und die Reserve- und Landsturmeinheiten wurden sicherlich auch nicht unbedingt umgerüstet, aber grundsätzlich möglich.

Die Scharfschützen der eidgenössischen Armee (ab 1852 einheitliche Bewaffnung und Uniformierung) führten folgende Waffen:

- Scharfschützenstutzer Ord. 1851, Stichbajonett, dreikantig mit Gleitfeder Ord 1851

- Dito; mit Transformation 1867 (Hinterlader) System Milbank-Amsler

- Feldstutzer Ord. 1864, Säbelbajonett (Yatagan) Ord 1864

- Dito; mit Transformation 1867 (Hinterlader) System Milbank-Amsler

- Geniegewehr Ord. 1867 (Paten Peabody 1862), Stichbajonett, vierkant mit Tülle Ord. 1863/67

- Repetierstutzer Ord. 1871 (System Vetterli), Stichbajonett, vierkantig mit Tülle Ord. 1871

- Repetierstutzer Ord. 1878 (System Vetterli, Säbelbajonett mit Säge Ord. 1878

- Repetierstutzer Ord. 1881 (System Vetterli) Säbelbajonett mit Säge Ord. 1878/81

- Infanteriegewehr Ord. 1889 (Schmitd-Rubin) Dolchbajonett Ord 1889

- fortlaufend die Modifikationen des Infanteriegewehrs

Das Geniegewehr Ord. 1867 wurde nur als 'Notlösung' den Scharfschützen abgegeben, da zu wenig Hinterlader-Gewehre zur Verfügung standen. Respektive die vorhandenen Vorderlader noch nicht in genügender Anzahl transformiert waren. Grundsätzlich wurde es an die Genie und Artillerie abgegeben.
Das Problem verschärfte sich ernsthaft bei der Grenzbesetzung 1870/71 da zu dieser Zeit ein akuter Mangel an Hinterladergewehren herschte.

Die ersten Repetiergewehre (Vetterli) wurden in geringer Anzahl 1869 der Infanterie abgegeben. Die Repetierstutzer konnten erst 1873 an die Scharfschützen ausgeliefert werden.

Das heisst also: theoretisch wurde das Waidmesser in der eidgenössischen Armee von 1852 bis 1878 ausgegeben. Während dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Bajonetten dazu geführt aufgrund der verschiedenen Gewehrmodellen. Soldaten die mit dem Feldstutzer 1864 ausgerüstet wurden trugen kein Waidmesser. Zumindest mir wäre das neu. Diese Waffe ist zudem sehr selten. Allein das Bajonett (guter Zustand) wird um die 1200.- bis 1500.- sFr gehandelt!

Anbei noch eine Lithografie von Scharfschützen der Ord. 1861/62 mit Scharfschützenstutzern 1851 und eine moderne Rekonstruktion gleicher Ordonnanz.

Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.

7

Samstag, 19. Februar 2011, 19:40

Dank dir für de Infos. Naja vll. finden sich ja irgendwan mal Unterlagen anhand derer man genaue Zahlen nachforschen kann.

Jaja der Stutzeryatagan. Hader sehr mit dem Stück, wäre die Schweiz eines meiner Hauptgebiete dann wäre das Stück schon da. Aber im Moment genießen da andere Bereiche mehr Priorität. Wobei der Preis schon i.o geht. Um die 1200 Franken für ein gutes Stück ist da schon noch angemessen. Gute seltene seltene Stücke sind halt nun mal teuer.... kannst ja mal in der Deutschlandsektion die vorgestellten Versuchsseitengewehre durchlesen. Diese Stücke sind im Moment die Hauptpriorität für mich. Wäre gut wenn ich da preislich so liegen würde wie der Stutzeryatagan gehandelt, leider liegen die jedoch deutlich darüber....
Aber was tut man nicht alles für die Sammlung.

Sammlergruß
Sebastian Th.

8

Montag, 21. März 2011, 16:28

Hallo Sebastian

Habe etwas ausfindig machen können und kann nun Dir eine Tabelle mit den Kompanien ab 1852 bis in die 1870er Jahre der eidgenössischen Scharfschützen präsentieren.

Zum Bestand einer Kompanie kann ich Dir leider keine genauen Zahlen nennen. Aber nehmen wir ein Schnitt von rund 100 Mann in einer Kompanie an.

Gruss: Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.

9

Dienstag, 22. März 2011, 19:19

Servus Dragoner,

herzlichen Dank für die Mühe!!! Wieder einen Schritt weiter.

Nochmals danke!

Sammlergruß
Sebastian Thiem

10

Donnerstag, 14. April 2011, 17:44

Eine kleine weitere Ergänzung zu Waidmessern.

Hier eine Kombination eines Scharfschützen nach 1873. Das Waidmesser entspricht der Ord 1852. Bis auf den Hersteller sind keine Marken oder Nummern eingeschlagen. Das Bajonett entspricht der Ord 1863/71 für den Vetterlistutzer Ord 1871. Der Koppelschuh entspricht der Ord 1862. (Ja Sebastian, es ist derjenige, den Du mir zugeschickt hast. Heute nachmittag fertig restauriert. Schon im Einsatz wie du siehst. Vielen Dank nochmals!!! Hast was gut bei mir.)

Diese Kombination wurde grundsätzlich bis zur Einführung des Säbelbajonetts Ord 1878 getragen. Ab dann gehörte das Waidmesser endgültig der Geschichte an.

Gruss: Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.

11

Freitag, 15. April 2011, 23:05

Wunderbar!! Ist wirklich toll geworden, freut mich sehr!!


Herzlichen Sammlergruß
Sebastian Thiem

12

Samstag, 7. April 2012, 22:58

Bestand eine Scharfschützen - Kompagnie

Aufgrund von meinen Qullen (kantonale Militärorganisationen der Kantone Glarus und Nidwalden von 1819) und spätere Bundesvorschriften über die zu stellenden Scharfschützen aus den Kantonen besteht eine Scharfschützen-Kompagnie aus:

1 Hauptmann, 1 Ober-Lieutenant, 1 erster Unter-Lieutenant, 1 zweiter Unter-Lieutenant, 1 Feldweibel, 1 Fourier, 4 Wachtmeister, 8 Corporale, 1 Frater, 1 Büchsenschmied, 2 Trompeter, 78 Mann Gemeine

Totaler Sollbestand 1oo Mann. Dieser blieb bis zur Abschaffung der kantonalen Scharfschützentruppen nach der neuen Mititärorganisation von 1874 immer gleich.

13

Sonntag, 8. April 2012, 12:50

Schweizer Waidmesser Ord. 1852

Hallo Sammlerfreunde,
Ich hatte ja garnicht gewußt, daß es auf dieser Seite so informative Aussagen zu diesem Thema gibt :) Da freue ich mich ganz besonders darüber, weil ich ja nun auch ein Stolzer Besitzer solch eines Waidmesser's bin.

Gruß harvay

14

Samstag, 26. Mai 2012, 21:46

Hallo Sammlerfreunde,

Ein wirklich sehr informativer und umfangreicher Beitrag den Ihr da gemeinsam erstellt habt.
War eine Freude ihn zu lesen. Danke

lg

Hans