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Freitag, 8. Juli 2011, 19:28

Baker Schwertbajonett

Hallo Sammlerkollegen, ich möchte Euch ein Baker-Schwertbajonett für das Baker Scharfschützengewehr aus meiner Sammlung vorstellen.Die Baker Rifle war eine Büchse, die von den Scharfschützenregimentern, den sogenannten Riflemen, der British Army während der Napoleonischen Kriege eingesetzt wurde. Im Gegensatz zu den damals üblichen Musketen verfügte die Baker Rifle über einen gezogenen Lauf. Entwickelt wurde es vom Londoner Waffenschmied Ezekiel Baker. Es wurde um 1802 eingeführt. Das hier gezeigte Stück stammt aus einem Arsenalfund in Nepal,leider fehlt die dazugehörige Lederscheide.Auf dem Parierlappen befindet sich ein Truppenstempel:95 7 E .Es handelt sich hierbei um die Waffennummer 7,E-Kompanie des 95th Regiment of Foot (Rifleman). Das 95.Regiment kämpfte während der Befreiungskriege in Spanien und Portugal gegen Napoleons Truppen.Es dürfte vielen aus der Serie "Die Scharfschützen (Sharpe´s Rifles)" bekannt sein.Ferner sind auf dem Knauf die Buchstaben BO (Board of Ordnance) eingeschlagen.Auf dem Klingenrücken befindet sich der Herstellername GILL .Ich würde mich über Informationen über diesen Hersteller freuen,da er mir eher unbekannt ist. In englischsprachigen Foren wird über die Herkunft dieser Bajonette gestritten.Es sind kleine Abweichungen zu den Bajonetten vorhanden die nicht aus dem Arsenal in Nepal stammen,z.B. fehlt bei den nepalesischen Bajonetten die Hohlkehle.Ich würde hierzu gerne Eure Meinung hören. Vom Baker Bajonett existieren viele moderne Kopien,hauptsächlich aus Indien. Viele Grüße,Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

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Freitag, 8. Juli 2011, 22:41

RE: Baker Schwertbajonett

Hallo Michael,

Stücke aus Nepal besitzten i.d.R recht grob gearbeitete Gefäße ohne eingegossene Rillen. Die Stücke sind natürlich auch nicht so sauber gearbeitet wie britische Stücke.

I. Gill war ein doch bekannter Hersteller blanker Waffen und in London (St. James´s Street) und auch in Brimingham ansässig.
Gill war ein durch das Board of Ordnance "geprüfter" zulieferer. Erfüllte also die Anforderungen an qualitative militärische Waffen.

Anbei die Handelskarte der Firma aus der damaligen Zeit (1806)



Sammlergruß
Sebastian Th

3

Samstag, 9. Juli 2011, 16:08

Baker Schwertbajonett

Hallo Sebastian,
vielen Dank für die Info.Ich habe mal zum Vergleich Bilder eines aufgepflanzten nepalesischen Schwertbajonetts für das P-1837 Brunswick Gewehr angehängt.Die Verarbeitung ist,wie Du schon angemerkt hast im Ganzen grober als bei vergleichbaren britischen Stücken,sieht man auch auf den Vergleichsfotos.Das Bajonett trägt nur am Knauf nepalesische Schriftzeichen,ansonsten sind keinerlei Markierungen zu finden.
Wie ich schon erwähnte wird die Herkunft der in Nepal gefundenen Baker Bajonette heftig diskutiert.Manche sind der Meinung es handelt sich um nepalesische Nachbauten bzw. Kopien für das nepal.Brunswick P-1837 Gewehr,andere wiederum meinen es wären originale.Ich schließe mich letzter Meinung an,da es wenig Sinn machen würde ein Bajonett mit allen Stempeln und Markierungen komplett zu kopieren.Die in Nepal gefundenen Baker Bajonette weisen größtenteils verschiedene Hersteller bzw.Truppenstempel auf.
Es wäre recht interessant wenn andere User ihre Baker Bajonette mal zum Vergleich einstellen würden.
Viele Grüße,Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

4

Samstag, 9. Juli 2011, 16:22

RE: Baker Schwertbajonett

Hallo Michael,

die Meinungen zu diesen Stücken gehen wirklich auseinander. Fest steht, dass diese Stücke (ausgenommen die Nachbauten aus neuerer Zeit) schon originale sind jedoch nicht in England gefertigt wurden.

Diese groben Stücke stammen in der Tat aus lokaler Fertigung (Nepalesischer / Indischer Raum). Britische Stücke in dieser Qualität wären nie durch die Abnahme gekommen. In Indien und Nepal wurden gerne und oft britische Seitenwaffen nachgebaut, umgearbeitet oder modifiziert.

Sammlergruß
Sebastian Th.

5

Samstag, 9. Juli 2011, 17:09

Baker Schwertbajonett

Hallo Sebastian,
vollkommen richtig.Ich könnte mir gut vorstellen das diese Stücke in Indien oder Nepal "aufgefrischt" oder überholt wurden,vielleicht waren die Bajonette B-Ware die man nach Indien verkauft hat,wer weiß.Die Wahrheit werden wir vielleicht nie erfahren,leider gibt es keine Nachweise mehr wann und wie die Bajonette nach Nepal gekommen sind.
Den Truppenstempel auf dem Parierlappen halte ich dennoch für autentisch,zumal ich das Bajonett in einem absolut ungereinigten Zustand direkt von der Firma welche das Arsenal in Nepal damals aufkaufte erworben habe.Es hat mich einiges an Mühe gekostet das Bajonett zu säubern.Die Schriftart entspricht "der Zeit" und entspricht derer die ich auf britischen originalen gesehen habe.Vielleicht täusche ich mich aber auch und es ist kein britischer sonderen ein HEIC Truppenstempel oder einfach nur eine Inventarnummer.Allerdings lassen sich die "Truppenstempel" der anderen Baker Bajonette aus Nepal die ich gesehen habe anderen britischen Rifle-Regimentern zuordnen.Aber möglich ist natürlich vieles.

Viele Grüße,Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

6

Samstag, 9. Juli 2011, 18:20

RE: Baker Schwertbajonett

Hallo Michael,

die Markierungen sind m.M sauber geschnitten und zeitgenössisch.

Britische Waffen sind i.d.R auf zwei Wegen in Commonwelth Staaten (vornehmlich Indien, später auch Ägypten).

1) es waren ausgemusterte Dienstwaffen welche an die einheimischen Truppenteile im Commonwelth abgegeben wurden.

2) es handelt sich um Stücke welche an britische Dienstwaffen angelehnt waren und durch die HEIC bei britischen Waffenschmieden in Auftrag gegeben und von diesen angekauft wurden.

Zwo Beispiele für solche Bajonette habe ich hier -> KLICK, Klick beschrieben.

Diese Waffen wurden dann natürlich weiter getragen (aufgetragen) und wenn nötig modifiziert oder auch repariert bzw. ergänzt.

Sammlergruß
Sebastian Th.

7

Samstag, 9. Juli 2011, 20:03

Brown Bess Bajonett

Hallo Sebastian,
habe mir die beiden Bajonette welche Du herrvoragend beschrieben hast mal angesehen und festgestellt das es Ähnlichkeit mit einem Brown Bess Bajonett meiner Sammlung hat.Allerdings ist bei meinem Bajonett eine Wulst hinter dem Sperring vorhanden.Des Weiteren befinden sich einige Markierungen bzw.Nummern auf dem Bajonett.Wie bei dem in Schweden aptierten Brown Bess ist auch bei meinem Bajonett der alte Gang verschlossen worden und ein neuer wurde eingeschnitten.Wäre es möglich das es sich bei meinem Brown Bess Bajonett ebenfalls um eine schwedische Aptierung handeln könnte?Die 3-stellige Nummer auf dem Bajonettarm könnte jedenfalls ein Indiz dafür sein.Leider ist der Herstellername nicht mehr existent,er wurde vermutlich ausgeschliffen nachdem das Bajonett verkauft wurde.

Ich habe lange gerätselt wer das Bajonett aptiert haben könnte,vielleicht kannst Du etwas Licht ins Dunkel bringen.

Viele Grüße,Michael

P.S.Ich habe das Bajonett vor ca.20 Jahren für schlappe 20 DM auf einem Flohmarkt gekauft.Leider sind die Zeiten solcher Schnäppchen vorbei.....
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Fagan« (9. Juli 2011, 20:04)


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Samstag, 9. Juli 2011, 20:12

RE: Brown Bess Bajonett

Hallo Michael,

sehr interessantes Stück. Schwedisch ist der Ursprung allerdings nicht. In Schweden wurden die Stücke nur nach dem gezeigten Muster aptiert. Die schwedischen Stücknummern finden sich zudem immer auf dem terzseitigem Bajonettarm.

Der Sperrring sieht mir der Machart britischen Ursprungs aus. Vergleichbar mit Sperrringen von P-1853 Bajonetten. Gut möglich das es sich um eine weitere Aptierung kolonialen Ursprungs handelt, von denen es sicher eine vielzahl verschiedener Ausführungen gab.

Sammlergruß
Sebastian Th.

9

Sonntag, 10. Juli 2011, 10:04

Brown Bess Bajonett

Hallo Sebastian,
es ist natürlich gut möglich das man das Bajonett in den Kolonien irgendwann mal aptiert hat.Vielleicht kennt einer der anderen User im Forum dieses Modell?
Viele Grüße,Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

10

Sonntag, 10. Juli 2011, 10:22

RE: Brown Bess Bajonett

Hallo Michael,

ein "Modell" also britisch Pattern wird es für die kolonialen Aptierungen nicht geben. Das Prozedere "Einführung-Feststellung mit Festlegung der Modellbezeichnung" wurde bei den aptierten Kolonialstücken nicht gemacht.

Man kann i.d.R die Sache grob zeitlich einordnen wie z.b das Stück mit Indian Catch welches ich bereits vorgestellt habe. Aber auch für diese Stücke gibt es keine expl. Modellbezeichnung.

Sammlergruß
Sebastian Th.

11

Sonntag, 10. Juli 2011, 11:30

Brown Bess Bajonett

Hallo Sebastian,
das habe ich mir schon fast gedacht.Trotzdem danke für Deine kompetente Hilfe.
Viele Grüße,Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).