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Freitag, 11. Dezember 2015, 09:43

Der Leibgurt Eidgenössische Ordonnanz 1861

Mit der Ordonnanz 1861 wurden die Schulterbandeliere abgeschafft und für alle gewehrtragenden Mannschaften ein dreiteiliger Leibgurt eingeführt.

Der Leibgurt aus gutem gefalztem Wichsleder besteht aus drei Teilen, die durch zwei lange viereckige Öhren untereinander verbunden sind. Das Hinterteil ist gerade geschnitten und hat zur Längenregulierung eine Schnalle aus Messing. Diese Schnalle am Hinterteil wurde 1862 abgeändert. Statt der Verlängerungsschnalle am Hinterteil des Leibgurtes wird ein Doppelknopf mit einer beweglichen Schlaufe zur Verengung und Erweiterung des Leibgurtes angebracht. Die Vorderteile sind an den Enden, welche die Ringe umfassen, schräg geschnitten, in der Mitte wieder etwas auswärts gebogen. Die vorderen Enden umfassen die Schlossringe von Messing. Der S-förmige Schlosshaken ist am rechten Schlossring, die lederne Schlossunterlage am linken Vorderteil befestigt.

Die Einführung dieses Leibgurtes hat grosse Diskussionen ausgelöst: "Der Leibgurt kommt auf eine Stelle zu liegen, welche mit Ausschluss der Wirbelsäule frei von jeder knöcherne Unterlage ist und übt einen empfindlichen Druck auf den Magen. Der Druck auf dieses wichtige Organ wird um so lästiger, je mehr der Gurt geneigt ist, aufwärts in die Gegend des Magenmundes zu steigen und je mehr der Magen mit Speisen gefüllt ist. Der gerade Gurt unterbindet förmlich den Leib an seiner nachgiebigsten Stelle. Daher wurde ein Schnitt gewählt, durch welchen der Leibgurt von den Hüftknochenrändern abwärts in die untere Nabelgegend bogenförmig geführt wird". Quelle: Allgemeine schweizerische Militärzeitung 1862, N° 5, S.34

Die Schweizer Armee musste sehr kostenbewusst sein. Alle irgendwie noch brauchbaren Bewaffnungs- und Ausrüstungsteile wurden neuen Erfordernissen angepasst. So bestimmte die Ordonnanz von 1862 in den Übergangs- und Schlussbestimmungen zu § 38 Lit. B betreffend Lederzeug: "Den Kantonen ist jedoch gestattet, die bisherigen Kuppel in einen gerade geschnittenen, aus einem Stück bestehenden Leibgurt umzuändern, welcher vorne mit einer viereckigen Dornschnalle (mit messingenem Dorn) zum Einschnallen versehen ist".

So trug die Schweizer Armee sehr viel zur Variantenvielfalt bei. Mit der Ordonnanz 1875 war endgültig Schluss mit der sanitarischen Diskussion um die Umgehung oder Umgürtung empfindlicher Körperorgane. 1875 wurde ein gerade geschnittener schmaler Leibgurt aus schwarzem Leder mit einer eisernen Schnalle eingeführt.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • Leibgurt 1861.JPG
  • Ösen.JPG
  • S-Schnalle.JPG
  • Ord. 1861.JPG
  • Doppelknopf.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (8. Januar 2016, 14:11)


Dragoner

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Samstag, 19. Dezember 2015, 20:03

Hallo schmied39

Danke für deinen Beitrag. Zum Übergangsmodell Ord 1862 kann ich noch etwas beisteuern. In meiner Sammlung habe ich zwei dieser Leibriemen. Beide stammen aus dem Kanton Luzern. Beide Stücke waren ehemalige Banduliere von Patronentaschen. Man erkennt noch deutlich (auf der Fotografie leider nicht so toll) den ehemaligen Sitz der Kapseltasche. Auf der Rückseite sieht man noch deutlich, dass das Leder damals „weiss“ gegerbt wurde. Also ein ursprüngliches 1852er Stück, aus der Zeit als man das Leder noch geweisst wurde. Nur die Vorderseite wurde geschwärzt.
Anbei noch ein Bild von einer Reitergiberne eines Artilleristen. Auf dieser kann man die Kapseltasche für die Zündhütchen der Perkussionswaffe sehen. Ebenso die Raumnadel an einem Kettchen.
Zum Schluss noch eine Rekonstruktion eines Scharfschützen ab 1867. Von da an wurden keine Scharfschützenmelonen ausgegeben. Grundsätzlich wurden Rekruten nur noch die Quartiermütze ausgegeben. Den Kantonen war es aber selbst überlassen, neue Rekruten mit Tschakos der Ord 1861 mit Scharfschützengarnituren auszurüsten. Der Schütze trägt nebst dem Tschako Ord 1861/67 eine Ärmelweste Ord 1852/61, den Leibriemen Ord 1862 mit Patronentasche Ord 1861. Als Seitenwaffe trägt er, wie die meisten Schützen dieser Ära, ein Waidmesser Ord 1852 und ein Stichbajonett Ord 1863.

Dragoner
»Dragoner« hat folgende Bilder angehängt:
  • DSCN2178.JPG
  • DSCN2179.JPG
  • DSCN2180.JPG
  • DSCN2176.JPG
  • DSCN2177.JPG
Wer früher stirbt, ist länger tot.

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Sonntag, 20. Dezember 2015, 14:47

Danke Dragoner für die Präsentation der Bilder mit den Leibriemen. Der Hinweis auf die Umarbeitung von Patronentaschenriemen ist ein Indiz, dass ab 1862 neben dem ordonnanzmässigen Leibgurt mit Hakenschnalle alle möglichen ledernen Ausrüstungsteile ehemaliger Ordonnanz zu Leibriemen umgearbeitet und abgegeben wurden. Nochmals vielen Dank für die Bilder.

Dragoner

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4

Sonntag, 20. Dezember 2015, 20:07

Immer doch gerne!

Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.