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Freitag, 24. Juli 2020, 12:59

Faschinenmesser 1842/52 Bern

Hallo zusammen
Ich möchte euch meinen Neuzugang vorstellen. Und zwar handelt es sich um ein Faschinenmesser 1842/52. Die sind an sich weder selten noch spektakulär, dieses Exemplar lässt für einen Detailverliebten Sammler(wie mich :rolleyes:) dennoch ein paar Fragen offen.

Zu den Daten: Länge 665 mm, Klingenlänge 516 mm, Griff mit 27 Rillen, Hersteller sind die Gebrüder Weyersberg aus Solingen.

Das Faschinenmesser wurde 1842 für Genietruppen eingeführt, ab 1861 an Sanitäter und ab 1875 an Artillerie, Train und Verwaltungstruppen abgegeben. Zuletzt in den Dreissiger Jahren ausgegeben und sicher noch bis Mitte 50er Jahre im Einsatz, hat es eine der längsten Karrieren in der Schweizer Armee. Dieses Exemplar ist ein Stück aus kantonaler Zeit, entsprechend der Ordonnanz 1842 für Genietruppen. Auf der Klinge der schöne Armaturstempel des Zeughauses Bern mit der Waffennummer 614. Solche Faschinenmesser kenne ich in drei Varianten. 1. Frühe Stücke, gestempelt mit AA.S.XXX oder AA.2S.XXX für erste oder zweite Sappeurkompanie (der Kanton Bern hatte als einziger zwei Sappeurkompanien zu stellen. 2. Gestempelt wie dieses Stück. 3. Ab ca. 1852 wurde der AA Stempel zugunsten eines kleinen Berner Wappenstempels ergänzt. Ich datiere mein Exemplar in die Zeit zwischen 1846 bis 1852. Das ist aber nur eine Vermutung.

Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail, in diesem Fall in drei unterschiedlichen Nummern. Die Klingennummer 614, unten an der Parierstange die Nummer 533, und am Scheidenmund zweimal die Nummer 476. Die Scheide selbst war ursprünglich gedrahtet und wurde irgendwann aufgefrischt und nach neuer Art vernietet, dazu eine neue Strippe angenäht. Der Scheidenmund unterscheidet sich ebenfalls von späteren Stücken, ich vermute mal, das sie ebenfalls vor 1852 hergestellt wurde. Griffe, Klingen und Scheiden wurden zu Reparaturzwecken immer wieder ersetzt und ausgetauscht, so dass eine zweifelsfreie Datierung schwierig ist.
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Freitag, 24. Juli 2020, 13:09

Noch die Rückseite.

Dazu eine Anekdote aus dem Buch Militia Helvetica von Hans Schwarz, Trainoffizier am Gotthard in den 20er Jahren:" Unsere Trainrekruten standen noch Wache mit dem kurzen Schwert, halb Messer, halb Säge, mit dem Messinggriff, eine ungeeignete Waffe im 20. Jahrhundert. Schon damals damals machte ich im Offiziersrapport auf diese sonderbare Wehr unserer Traingelos aufmerksam, die sie auf die Stufe der alten Römer zurücksetzte, ohne ihnen deren Schild zuzubilligen, und verlangte die Abgabe von Revolvern oder Karabinern. Der Rapport wurde von Oberstleutnant Brechtbühl schmunzelnd weitergeleitet und von Oberst von Salis ebenfalls und verschwand in irgendeiner Schublade in Bern. Ich habe dann in verschiedenen Militärblättern meine ansicht vertreten, aber erst nach 10 Jahren oder mehr bekam auch der helvetische Trainsoldat seine Schusswaffe. "
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Freitag, 24. Juli 2020, 17:26

Wie du schon geschrieben hast, unterlagen die Scheiden in ihren 100 Jahren
Dienstzeit der Vertauschung, Reparatur und Ersatz, denn die Lederscheiden
verschlissen eher, als die Faschinenmesser. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass
ein FM heute immer noch in seiner ursprünglichen Scheide anzutreffen ist.

Generell kann man aber wohl festhalten, dass die Scheidenbeschläge zuerst
verdrahtet wurden und bei späteren Stücken genietet. Dein gezeigtes Deckblech
halte ich für eine spätere Variante, welches bei den genieteten Mundblechen
verwendet und mittels einer Schraube gehalten wurde.

Hier zeige ich mal ein verdrahtetes Mundblech mit eingelötetem Deckblech
und ein vernietetes Mundblech mit durch Schraube gehaltenem Deckblech.
Wie gesagt, kann man vom Hersteller der FM nicht mehr auf den Hersteller
der Scheiden schließen.
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  • Genie-FM1842 Neuhausen m.jpg
  • M1842 Neuhausen vs, Hoerster .JPG
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Samstag, 25. Juli 2020, 20:54

Ja, bei den Scheiden ist das Alter schwer feststellbar. Merci für deine Antwort. So wie ich das sehe, wurde die Scheide irgendwann aufgefrischt. Der Stiefel hat Jahrgang 1891, ich vermute dass die Scheide irgendwann in diesem Zeitraum abgeändert wurde. Mich haben nur die Nummern am Griff und der Scheide irittiert. Solche habe ich bis jetzt nur an einem anderen Griff gesehen. Daher vermute ich eher eine frühe Variante vor 1875.

Die Literatur ist in diesem Fall keine grosse Hilfe.

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Montag, 27. Juli 2020, 16:08

Hallo
Diese Faschinenmesser sind ein Thema für sich... Zur Bestempelung würde mich noch interessieren: Wurden die -zumindest diejenigen die überhaupt sind- mit dem Produktions- oder später mit dem Privatisierungsjahr gestempelt? Da habe ich schon verschiedene Theorien gehört...
Grüsse

6

Montag, 27. Juli 2020, 18:31

Hallo Bergbueb
Die Faschinenmesser vor 1875 wurden meist kantonal gestempelt. Bei den Bernern z.B. auf der Klinge, Solothurn, Zürich, und andere markierten auf dem Griff. Irgendwann zwischen 1850 und 1875 kamen die eidgenössischen Abnahmestempel dazu (da weiss sicher schmiede39 Bescheid). Ab den 1880ern wurde dann eine Waffennummer und Herstellungsjahr aufgestempelt. Daher sind die späten Stücke gut von den früheren zu unterscheiden. Aber das ist eben nur die Spitze des Eisbergs. Wie bei meinem Stück gibt es neben nummerierten Griffen halt auch nummerierte Scheiden. Die zweifelsfrei einzuordnen ist fast unmöglich. ?( Bis jetzt ist mir auch keine passende Literatur unter die Augen gekommen.

Gruess retour

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Mittwoch, 5. August 2020, 12:10

Hallo
Dazu noch dieses hier: Hab's passend für das Geniegewehr erworben: St. Galler Schlag aber genietete Garnitur. Kann jemand den Hersteller entziffern?

Grüsse
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bergbueb« (5. August 2020, 14:11)


8

Mittwoch, 5. August 2020, 14:04

Dreh doch mal bitter den Hersteller-Stempel nach links.

Gruss
blankhans

9

Mittwoch, 5. August 2020, 14:12

Hallo

Gemacht...

Grüsse

10

Mittwoch, 5. August 2020, 19:17

Hallo

Ich kanns leider nicht entziffern, Sorry.

Ich denke im ersten Blick auf einen französischen oder belgischen Hersteller. Die meisten Stücke kamen aus Solingen, die späten wurden dann in Neuhausen hergestellt.

Gruss

11

Mittwoch, 5. August 2020, 22:08

Ich habs, Geistesblitz
Der Hersteller ist Clemen&Jung aus Solingen.

12

Donnerstag, 6. August 2020, 04:15

Hallo Microraptor

Genau, das würde passen! Danke!

Grüsse

13

Donnerstag, 6. August 2020, 11:26

Damit lässt sich auch das Alter genauer datieren. Die Firma wurde 1860 gegründet. Wenn Griff und Klinge nicht ausgewechselt wurden, wäre das Stück irgendwann zwischen 1861 und 1875 hergestellt worden.
Die Firma gibts übrigens heute noch, vielleicht haben die ja noch irgendwelche Unterlagen in ihrem Archiv. ;) :P