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Sonntag, 16. Mai 2021, 17:50

Säbel für Artillerie Ord. 1783 Bern

Hallo zusammen.

Hier wieder ein neues Sammlerstück. In diesem Fall ein Säbel für Artilleristen nach der bernischen Ordonnanz 1783.

Das Artilleriekorps war die Lieblingswaffe der Berner Regierung. Sie stellte die Geschütze, die in einer eigenen Giesserei hergestellt wurden. Der Fuhrpark war, verglichen mit anderen Kantonen sehr umfangreich. Im Jahr 1782 wurde das Artilleriekorps reorganisiert und erweitert. Unter anderem wurde ein neuer Säbel mit kurzer, breiter Klinge als Ersatz für den bis dahin verwendeten Hirschfänger eingeführt. Anstelle von Gewehren sollten die Mannschaften neu mit einer Pistole ausgerüstet werden. Das wurde aber vor dem Sturz 1798 nicht mehr umgesetzt.
Besagtes Modell trugen die Soldaten bis zum Untergang des Ancien Régimes. Ein paar Waffen wurden um 1803 dem Kanton Fribourg verkauft, dessen Zeughaus die Klingen punzierte. Daher lassen sich Berner und Fribourger gut unterscheiden.
Jetzt zu der vorliegenden Waffe: Messinggefäss, Griffkappe, Vernietknäufchen, gerundeter Griffbügel in
Parierstange mündend. Der Parierstangenarm und das ovale, leicht
gewölbte Stichblatt sind ortwärts gebogen. Mit braunem Leder bespannter
Griff, Zwinge.
Volle Rückenklinge (Länge 50 cm, Breite 4,9 cm), im
Ortbereich Rückenschliff, Grootspitze. Auf dem Klingenrücken eingraviert: I.P.R. H.1798(?)Schwarze Lederscheide nicht vorhanden. Messinggarnitur, Mundblech, separater in die Scheide eingesetzter
Tragknopf, der stiefelartige, ebenfalls in die Scheide eingelassene
Scheidenabschluss, wird vom Leder bedeckt.
Das besondere dieser Waffe ist das Stichblatt. Darauf hat der frühere Besitzer "La Croix 1798" eingeritzt. Das bezieht sich auf die Kämpfe am Col du La Croix (Kreuzpass) zwischen der Waadt und dem Saanenland. Dort kämpfte das Gros des Simmentaler Bataillons mit den Ormontern gegen die Franzosen und ging aus den Kämpfen siegreich hervor.

Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen:https://www.sac-cas.ch/de/die-alpen/die-…agen-1798-9385/
Während der Kämpfe hatte der Oberbefehlshaber Oberst Tscharner 4-6 Kanonen unter seinem Kommando. Das ergibt ca. 60-100 Artilleristen. Ich vermute, dass einer dieser Männer entweder während des Dienstes oder kurz danach diese Lettern als Erinnerung verewigt hat. Die Artilleristen kamen aus dem selben Rekrutierungskreis wie der Rest der Mannschaft. Daher wäre das ein echter Simmentaler, was für mich natürlich besonders toll ist.

Nur die Stempel auf dem Klingenrücken vermag ich nicht zu deuten, weiss hier jemand mehr?
»Microraptor92« hat folgende Bilder angehängt:
  • DSCN4188 (2).JPG
  • DSCN4199 (2).JPG
  • DSCN4200 (2).JPG
»Microraptor92« hat folgende Dateien angehängt:

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Montag, 17. Mai 2021, 08:32

Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und vermute mal, dass das vielleicht Pionier-Rgt. heißen könnte???????????????

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Mittwoch, 19. Mai 2021, 19:22

Hallo Corrado
Das denke ich nicht, in der Berner Armee gab es vor 1817 keine Genietruppen, soweit mir bekannt ist. Ich hätte eher auf eine Herstellersignatur oder Besitzerinitialen getippt.

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Samstag, 22. Mai 2021, 19:20

Hallo Microraptor92, ich meine du liegst richtig mit Besitzerinitialen. Ich weiss nicht, ob bei der Berner Artillerie die Soldaten auch Uniform und Säbel selber bezalten mussten wie bei der Infanterie. Dann machen Besitzerintialen grossen Sinn, denn seine eigenen teuer erworbenen Sachen möchte man nicht verwechseln. Herstellersignatur würde ich ausschliessen, denn die Einschläge sind doch sehr improvisiert.

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Montag, 24. Mai 2021, 15:54

Hallo Schmiede
Ja, auch der Artillerist musste sich auf eigene Kosten ausrüsten. Der Kanoniersäbel kostete damals 53 Batzen.
So gesehen würde es durchaus Sinn ergeben, seine teure Waffe anzuschreiben. H 1798 könnte dann vielleicht das Jahr des Kaufs bedeuten.?

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Donnerstag, 27. Mai 2021, 19:34

Hallo Microraptor 92. Ich glaube bei solchen Rätseln - ich meine jetzt die mit Spitzmeissel punktierte H 1798 - muss man denkbare und plausible Möglichkeiten erwägen. Ein Kaufdatum macht wenig Sinn, was sollte sich jemand die Mühe geben, mit einem Spitzmeissel ein Kaufdatum zu gravieren. Sie haben ja schon die sehr plausibel Erklärung für La Croix 1798 geliefert. Mit H 1798 könnte das Thema wieder auf dem Klingenrücken aufgenommen worden sein. Danke übrigens für die Geschichte, war mir bisher nicht bekannt, ebenso die Erklärung für La Croix 1798. Wenn wir den Schweizerdialekt zu Hilfe nehmen könnte es sein, dass das ein Datum ist. Noch die Generation meiner Grosseltern hat nie Februar gesagt, sondern Horner, geschrieben Hornung. Könnte also Februar 1798 heissen.

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Dienstag, 1. Juni 2021, 10:10

Hallo Schmiede.
Das könnte es sein.Auch im Oberland sagte man statt Februar Hornung. Das wusste ich wiederum nicht. Die Truppen wurden Ende Januar mobilisiert und waren den ganzen Februar im Dienst. Das würde also gut passen. Dafür würde auch die undeutliche und ungenaue Punzierung sprechen, da unter Feldbedingungen angebracht. Merci viel mal für den Tipp, das ist wirklich das Wahrscheinlichste. :thumbsup: