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Samstag, 7. Dezember 2019, 20:33

Säbel Ordonnanz 1842/52, berittene Mannschaft

Hier ein weiterer Berner Kavallerie-Säbel.
Dieses Stück ist mit 915mm Länge etwas kürzer als vorgeschrieben (921mm). Der Säbel selbst ist in Top-Zustand.

Bei den 42/52er Säbeln gibt es welche, die wie dieser hier auf der Klinge gestempelt sind, andere sind am Griffbügel gestempelt. Weiss jemand wieso, bzw. ob das nur in einer bestimmten Zeit so gehandhabt wurde.
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Sonntag, 8. Dezember 2019, 15:33

Hallo Microraptor92.
Die Bestempelung kann man nur aus der Geschichte der Beschaffungspolitik der föderalen Armee vor 1875 verstehen. 1818 wurden erstemals Mustersäbel an die Kantone versandt. Aufgrund dieser Muster haben die Kantone die Säbel in Solingen und z.T. in Klingenthal gekauft. Auch von den Modellen, die landläufig als Modell 1842/52 bekannt sind, wurden Mustermodelle versandt. Die Kantone haben dann selber eingekauft. So wurde immerhin eine Einheit in der Vielfalt erreicht. Ab 1875 ging der Ankauf von Blankwaffen vollständig an den Bund. Erst seit diesem Jahr wurden die Klingen mit dem Eidgenössischen Kreuz punziert.

Die grossen Kantone wie Zürich und Bern erfassten, punzierten und nummerierten minutiös all ihre Blankwaffen. Ebenso weisen Blankwaffen der Kantone Genf und Waadt durchwegs Kantonspunzen auf. Dann gibt es eine Reihe von Kantonen mit vereinzelten Punzierungen, z.B. Basel und Appenzell Innerrhoden. Im Kanton Schwyz waren die Bezirke Militäreinheiten und haben selber eingekauft. So ist eine Schwyzer Punze auf einem Kavalleriesäbel 1842/52 mit B.M. markiert. Das heisst Bezirk March. Die meisten kleinen Kantone haben keine Markierungen angebracht. Das Zeughaus Solothurn hat jedoch in alle Säbel, die ihm in die Finger kamen, Punzen eingehauen. Auch Luzern war relativ fleissig beim Punzieren.

Beim Anbringen der kantonalen Punzierungen ist kein System festzustellen. Am Einheitlichsten punzierten Zürich und Bern. Bei den Berner Säbeln findet man oft die Punzierung auf der Klinge und auch auf dem Griff. Interessant sind auch die Beschriftungen der Kantone, wo die Dienspflichtigen die Waffe kaufen mussten. Da wollte man sein Weidmesser ja nicht verwechseln und so wurde oft der Name eingraviert. So z.B. bei den Scharfschützen des Kantons Appenzell Innerrhoden. Auch Innerrhoden kannte verschiedene Militärbezirke.

Es ist noch zu beachten, dass bei der Beschaffung von Säbeln marktgerecht und parallel zum technischen Fortschritt vorgegangen wurde. Das Reglement von 1818 z.B. wurde ja erst 1842/52 modernisiert. Die Kantone haben jedoch bei Neuanschaffungen das uns bekannte Modell für Berittene bereits seit den 1830er Jahren angeschafft.

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Donnerstag, 27. August 2020, 20:22

Hallo zusammen
Mir ist es gelungen, ein Stück mit Bestempelung am Griff aufzutreiben. Der Stempel ist AA. R.A.13. Das steht für reitende Artillerie. Der Hersteller sind die Gebrüder Weyersberg in Solingen. Im Bundesauszug von 1817 bis 1852 waren insgesamt 4 Kompanien à 130 Mann aufgeführt. Davon stellten Zürich, Bern, Aargau und die Waadt jeweils eine Kompanie. Ab 1804 stellte Bern bekanntlich eine 21 Mann starke Truppe berittene Artillerie als Teil der Stadtlegion und später der Standeskompanie auf. Diese Truppe ist gut beschrieben im Buch Berner Uniformen von Roland Petitmermet. Sie wurde 1817 aufgelöst und in die Standeskompanie überführt, da die Truppe zu kostspielig war. Danach wird die Quellenlage relativ dünn. Ich vermute, dass es sich nicht um Milizen, sondern um professionelle Truppen gehandelt hat, da der Umgang mit Waffe und Pferd doch sehr komplex war und eine gute Ausbildung und Erfahrung voraussetzte.

Zum Säbel: Das Gefäss ist mit dem oben gezeigten identisch, abgesehen vom Stempel natürlich. Die Klinge ist relativ kurz (845mm). Die Scheide weist gegenüber dem oberen Stück grössere Tragringe, einen leicht anderen Stiefel und eine gesteckte statt einer geschraubten Arretierfeder auf. Das Schlagband entspricht der Ordonnanz 1852/67.

Mir sind noch zwei andere Säbel mit gleicher Stempelung bekannt (Nr. 4 und 62). Der erste ist im aktuellen Katalog von Kessler-Auktionen beschrieben, der zweite findet man als altes Ricardo Stück über Google. Beide weisen in Länge und Details Unterschiede zu meinem auf. Es könnte sein, dass mein Säbel von einem kleineren Mann getragen wurde, was bei einer professionellen Truppe einen gewissen Sinn macht. Es scheint so, dass nur eine kleine Charge dieser Säbel angeschafft wurde.

Zeitlich ordne ich ihn zwischen 1830 und 1847 ein. Eine Zeughausrechnung von 1824 besagt, dass dem Mechaniker Moise Elié Mathey Claudet Punzen mit Alphabet und Zahlen im Betrag von 14 Franken, 4 Batzen und 5 Rappen geliefert hat. Die Punzierung mit Zahlen und Buchstaben findet sich auf vielen Stücken zwischen 1804 und 1842. Irgendwann in den 40er Jahren wurde auf die Buchstaben verzichtet. Ich würde darüber gerne mehr herausfinden. Dafür sind aber noch zu viele Lücken in meiner Sammlung.

Grüsse und schönes Wochenende wünscht der Microraptor
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Samstag, 29. August 2020, 19:42

Hallo Microraptor, du weist auf etwas hin, das vielen Sammlern entgeht: die Ordonnanz 1842/52 führt für die berittenen Artilleristen wohl die gleigen Säbel wie für die Kavallerie ein, aber mit kürzeren Klingen. Der Grund dafür war, dass Artilleristen am Boden oft die Stücke anschieben und in Position bringen müssen und ihnen dabei ein allzu langer Säbel in die Quere kommen könnte. Die französische Armee hat aus dem gleichen Grund 1829 für die berittene Artillerie ein besonderes kürzeres Modell eingeführt.

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Sonntag, 30. August 2020, 08:58

Hallo Schmiede
Das klingt logisch, bei den berittenen Offizieren waren die der Artilleristen ja auch kürzer.
Allerdings hat das Stück mit der Nr.4 (Kessler) eine Klingenlänge von 920 mm, also der Ordonnanz 1852 entsprechend. Das irritiert mich, da beide Säbel mit ziemlicher Sicherheit aus der selben Lieferung sind.
Daher auch die Vermutung mit den “massgefertigten Waffen“. Weitere Stücke könnten da sicher Klarheit schaffen.

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Gestern, 18:00

Hallo zusammen.
Nach Recherche habe ich noch zwei Exemplare gefunden. Beide 200er Nummern und beide mit Klingenlängen zwischen 83 und 85 cm. Daher nehme ich an, dass sich mehr oder weniger alle Säbel für Reitende Artilleristen in dieser Grössenordnung bewegen. Wieder was gelernt.
Gruss und schönes Wochenende wünscht det
Microraptor