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Dienstag, 30. März 2021, 18:39

Säbel für Offiziere der British Swiss Legion. Um 1855

Blankwaffen können Zusammenhängen in der Geschichte aufzeigen. Bei diesem Säbelmodell geht es um den Krimkrieg, die British Swiss Legion, die britische Rifle Brigade und den europäischen Markt für Blankwaffen.
Der Krimkrieg

Der Krimkrieg zwischen Russland und dem osmanischen Reich dauerte von 1853 bis 1856. In den Konflikt griffen auch die mit dem Osmanischen Reich verbündeten westeuropäischen Mächte Frankreich, Grossbritannien und das Königreich Sardinien Piemont ein, um eine Gebietserweiterung von Russland auf Kosten des Osmanischen Reiches zu verhindern.
Die britische Rifle Brigade

Die Rifle Brigade, 1816 aus einer Vorgängereinheit neu gegründet, war nicht in die Linienregimenter integriert, vergleichbar mit den schweizerischen Scharfschützeneinheiten. Wie die kantonalen Scharfschützenkompanien unterschied sich die Rifle Brigade in Uniform, Bewaffnung und Taktik von der Linieninfanterie. Von 1853 bis 1854 standen zwei Bataillone der Brigade im Krimkrieg. Hier interessiert aber vor allem der Offizierssäbel der Rifle Brigade. Die Offiziere der Rifle Brigade erhielten 1827 ein eigenes Säbelmodell. Das Modell 1827 unterscheidet sich vom britischen Säbel für Infanterieoffiziere Modell 1822 durch ein Ganzstahl-Griffstück ohne einklappbaren Quartbügel und vor allem durch den Ersatz des königlichen Monogramms in der Griffkartusche durch ein Signalhorn. Das Jäger-Horn war auch das Zeichen der schweizerischen Scharfschützen.

Die British Swiss Legion oder Britische Schweizer Legion 1855-1856

Das britische Parlament beschloss 1854, zur Verstärkung seines Berufsheeres eine Fremdenlegion von 10’00 Mann aufzustellen. Diese sollte in den

europäischen Kleinstaaten rekrutiert werden. Die Werbung der Briten ab 1854 in der Schweiz für Schweizersöldner für die britische Fremdenlegion verstiess gegen die geltenden Gesetze und löste einen grossen politischen Wirbel aus. Trotzdem kam die Legion unter Mithilfe höherer Offizieren zustande. Diese Infanteriebrigade von ca. 3‘300 Mann mit einem Ausländeranteil von 22% war nicht regulär, und die in Schriftstücken erwähnte Militärkonvention der Britischen Schweizer Legion wurde nie von offiziellen Stellen unterzeichnet. So erstaunt es nicht, dass die Söldner nach Ankunft im Ausbildungslager entgegen dem Werbebrief ein Handgeld von Fr 150.00 für die Ausrüstung abgeben mussten. Bei Kriegsende 1855 war ein Teil der Truppe in Izmir, wo sie immer noch auf einen Kriegseinsatz wartete, der übrige Teil war noch in England im Ausbildungslager. Nachforderungen von Gehaltsentschädigungen endeten ebenso ergebnislos wie der ganze Truppeneinsatz.Säbel der Offiziere der British Swiss Legion

Die Offiziere der Britisch Swiss Legion besorgten sich ein eigenes Säbelmodell mit gerader Klinge. Diese Säbel haben unverkennbar ihre englischen Vorbilder in den Britischen Säbeln für Offiziere der Infanterie Modelle 1822 und 1845, und dürften vermutlich von ihren Besitzern auch noch bei militärischen Diensten in der Schweiz verwendet worden sein. Im Buch Griffwaffen Seite 50 von Jürg A. Meier wurden 1971 erstmals zwei Varianten von Offiziers Degen der British Swiss Legion vorgestellt.

Beim hier gezeigten Modell handelt es sich um einen Säbel mit gesteckter Klinge. Bügel und Spangen am Gefäss zeigen grosse Ähnlichkeit mit dem
Offizierssäbel der Rifle Brigade Modell 1827. Die britischen Säbel existieren in verschiedenen Klingenvarianten, auch mit gesteckten Klingen. Die Gefässteile sind sowohl beim britischen Modell 1827 wie auch beim vorliegenden Modell aus Eisen und das Griffstück ist mit Rochenhaut überzogen. Die Stahlscheide ist passgenau und hat zwei Ringbänder. Die Griffkappe weist Ähnlichkeiten mit den österreichischen Offizierssäbeln Modell 1845 aus. Die Nietebene der Griffkappe ist dreifach gestuft und am Übergang zum Schwanz der Kappe läuft ringsum eine breite Rinne, wie wir sie auch von den Schweizer Offizierssäbeln Ordonnanz 1867 kennen. Der Schwanz der Griffkappe ist in der unteren Hälfte bis zur Zwinge erhöht. Das Gefäss besteht aus flachen Spangen, die miteinander verflochten sind. Die Hauptteile sind Quartspange und Quartbügel, Hauptbügel und zwei Terzbügel. In der Terzspange befindet sich das Medaillon mit Schweizerkreuz im Lorbeerkranz. Die Klinge ist schmäler und mit 79 cm kürzer als die Klinge des Säbels für unberittene Offiziere 1867. Das Schweizerische Ordonnanzmodell 1867 für unberittene Offiziere hat eine Klingenlänge von 81 cm.

Über Herkunft und Geschichte dieses Säbels ist nichts bekannt. Die Säbel mit Messinggefäss der Britsh Swiss Legion konnten von ihren Eigentümern auch im Dienst in der Schweiz getragen werden konnten, da die offiziellen Offizierssäbel in der Schweiz ebenfalls Messinggefässe aufwiesen. Es scheint mir jedoch eher unwahrscheinlich, dass die Säbel mit Eisengefäss nach Art der Rifle Brigaden Modell 1827 in der Schweiz schon vor 1867 in Gebrauch waren. Es ist jedoch hinlänglich bekannt, dass die Blankwaffenproduzenten, vor allem Wester & C°in Solingen, den Markt für Offiziers Säbel mit ausgefallenen individuellen Varianten und Hybridmodellen aktiv bearbeitet haben.
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Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (30. März 2021, 19:01)


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Mittwoch, 31. März 2021, 15:30

Vielen Dank für den historischen ckground zum interessanten Stück, man lernt eben immer noch etwas dazu!!

3

Freitag, 2. April 2021, 16:14

Danke,
Sehr informativ und als ehemaliger "Insulaner" um so interessanter. Von dieser Truppe hatte ich noch nie etwas gehört.
Viele Grüße,
Peter

4

Mittwoch, 7. April 2021, 20:00

Schöner Säbeltyp, gefällt mir.

Es wäre interessant zu erfahren, ob die zurückgekehrten Soldaten eingelocht wurden. Als Strafe für Militärdienste in fremden Armeen stand ja damals wie heute ein Gefängnisstrafe.

joehau

Mitglied

Beiträge: 77

Wohnort: Preußen

Beruf: Leibhusar

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5

Montag, 12. April 2021, 23:49

Davon hatte ich noch nie etwas gehört oder gelesen !

Sehr interessanter Beitrag.

Gruß Jörg

6

Dienstag, 13. April 2021, 09:59

Hallo Microraptor, die individuelle Strafe für fremde Kriedgsdienste wurde erst 1927 im Militärstrafgesetz eingeführt. Zur Zeit des Krimkrieges gab es noch die offizielle Kapitulation (staatlich genehmigter Soldvertrag) zwischen der Schweiz und dem Königreich Neapel, der 1859 auslief. Die Geschichte der fremden Kriegsdienste muss man sehr differenziert anschauen. 1855 war nur die Werbung in der Schweiz verboten und der Abschluss von staatlichen Soldverträgen. Fremder Kriegsdienst war aber nicht illegal. Im Gegenteil. Die Armee profitierte von den Erfahrungen hoher Offiziere. Noch im amerikanischen Bürgerkrieg kämpften auf beiden Seiten Schweizer.

7

Dienstag, 13. April 2021, 13:31

Hallo Schmiede

Stimmt, du hast Recht, das wusste ich nicht. Das Schweizer im Sezessionskrieg kämpften ist mir bekannt, (Prominentestes Beispiel natürlich der spätere Bundersrat Emil Frey) daher eigentlich logisch. Mit dem Thema der Fremden Kriegsdienste habe ich mich bisher auch nur oberflächlich befasst. Es ist wie du sagst eine sehr vielschichtige und komplizierte Geschichte, vor allem in kantonaler Zeit. Jä nu, auf jeden Fall wieder was gelernt. Merci für die vielen Infos und Zeigen des schönen Säbels. :thumbup: